23. August 2015 admin

.THE FINAL ROAR

// Tja, da ist es nun vorbei unser schönes ostwestfälisches Festival. Für immer. 10 Jahre lang war das Serengeti Festival der gelebte Traum, ein großes Musikevent in die ostwestfälische Provinz zu holen. Ein bisschen „Rock am Ring“- und ein ganz bisschen „Woodstock“-Feeling sollte es von 2006 an auch in Schloß Holte-Stukenbrock geben. Zugegeben: Anfangs war alles noch ein paar Nummern kleiner. Gelände und Line-Up konnten sich noch nicht mit den großen Festivals anderer Standorte messen. Dennoch gelang es dem Veranstalter Vibra Agency stets von Beginn an für Überraschungen zu sorgen und bekannte Musikgrößen zu engagieren. Beim allerersten Serengeti Festival immerhin H-Blockx, Tita & Tarantula und Dog eat Dog an einem Tag. Im Jahr darauf gar The Boss Hoss und Juli, die zur damaligen Zeit gerade große Nummern in Deutschland waren. Mit dem Line-Up des zweiten Serengeti Festivals wäre auch der Mythos widerlegt, dass es anfangs immer rockig war und erst viel später das poppige, „mainstreamige“ dazugekommen sei.

2011 dann zog das einstmals kleine Festival um an den Safari-Park, womit der Name noch ein Stück authentischer wurde. Es ging bei dem Umzug aber wohl nicht ausschließlich um die Atmosphäre, sondern vor allem um die Größe des Festivalgeländes. Die Veranstaltung wurde schließlich immer größer und die Besucher schrien nach einem Campingplatz. Damit wurden gleichzeitig auch die fettesten Jahre der Festivalgeschichte eingeläutet. 2012 fand das Serengeti Festival zum ersten Mal über einen Zeitraum von 3 Tagen statt. Headliner waren Kraftklub, Deichkind und Maxïmo Park. Zugegebenermaßen besuchte ich selbst das Festival in diesem Jahr auch zum ersten Mal. Dann aber auch direkt an allen drei Tagen!

Ohne groß zu überlegen, würde ich behaupten, dass das Festival im Jahr drauf seinen absoluten Höhepunkt erreichen sollte. Durch den mittlerweile entstandenen Festivalhype war auch OWL plötzlich „in“ und es kamen Musikgrößen wie SEEED ins beschauliche Schloß Holte-Stukenbrock. Zudem meinte es der Wettergott an diesem Wochenende gut mit den Besuchern. Samstag und vor allem Sonntag herrschte strahlender Sonnenschein so dass ein unbeschreibliches „lauer Sommerabend“-Feeling aufkam. Im Jahr drauf kamen Lokalmatador Casper und Biffy Clyro – letztere hatten geraden das Londoner Wembleystadion ausverkauft. Nun war klar, dass 2015 schließlich das 10-jährige Jubiläum zelebriert werden sollte. Ich war mir daher sicher, dass die Veranstalter noch einen drauf setzen und 1-2 richtig fette Acts engagieren würden.

Es kam anders – und wie sich später herausstellen sollte mit verheerenden Folgen … Selbst die kühnsten Optimisten mussten einsehen, dass das Jubiläums-Line-Up ein Rückschritt zu den vergangenen Jahren darstellte. Zwar konnten mit The Offspring, Fünf Sterne Deluxe, H-Blockx oder Bad Religion immer noch „Namen“ verpflichtet werden, aber wenn man ehrlich ist, ist keiner davon ein aktueller nationaler oder internationaler Top-Act. Diese 4 Acts hatten eigentlich allesamt ihre ganz großen Zeiten bereits hinter sich. Die H-Blockx wurden gar als mysteriöser „SECRET HEADLINER“ erst eine Woche vor dem Festival bekanntgegeben. Bei allem was im Vorfeld erzählt und geschrieben wurde, war es (für mich) irgendwie logisch, dass es diese Band sein würde. Und damit wird ja schließlich auch die Festivalgeschichte irgendwie abgerundet. Aber bei allem „Hype“ der um diesen „SECRET HEADLINER“ gemacht wurde, waren sie auch irgendwie ein bisschen „zu wenig“. Nachdem bekannt wurde, dass es ein Act sein würde, der schon mal da war, wurde von den meisten eher noch einmal etwas in der Liga wie Casper, Deichkind, oder die Broilers erwartet. Ich jedenfalls habe nicht einen getroffen, der mit dem diesjährigen Line-Up wirklich glücklich und zufrieden war. Wäre die „Aufstellung“ 2011 so ausgefallen, hätte die Sache sicher anders ausgesehen aber mit der Erwartungshaltung, die in den letzten Jahren erzeugt wurde, war das unter dem Strich doch alles recht dürftig. Warum das alles so ist, erklärten die Veranstalter in einer etwas frustriert klingenden Nachricht am 3. Juli:

„Eine Ära geht zu Ende: Aus Liebe zur Musik, zum Festivalstandort Ostwestfalen und den Serengeti Festivalfans haben wir das Serengeti Festival seit 10 Jahren mit viel Ausdauer, Herzblut und Einsatz aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Entscheidung für die Aufgabe des Festivals ist uns daher nicht leicht gefallen. Bei allen sitzt momentan eine große Löwenträne im Knopfloch.
Aber die Entwicklungen im deutschen und internationalen Festivalmarkt haben sich in den vergangenen Jahren zugespitzt: Steigende Gagen, immer mehr Festivals bieten um die gleichen Bands, höhere Produktionskosten und eine weitgehende Kontrolle der Festivallandschaft durch wenige Großkonzerne haben letztlich zu einer Situation geführt, in der ein unabhängiges Open Air im Format des Serengeti Festivals nicht mehr nachhaltig und budgetär seriös arbeiten kann. So schwer dieser Schritt auch fällt, müssen wir aus den genannten Entwicklungen unsere Konsequenzen ziehen. Das sind wir unseren Mitarbeitern und den zahlreichen anderen Projekten schuldig.

Alle Verantwortlichen sind sich einig, dass man weder an der Qualität des bekannten Festivalformats schrauben möchte, noch die Ticketpreise erhöhen will. Beide Lösungen hätten am Ende nichts mehr mit dem Serengeti Festival zu tun. Auch andere Maßnahmen wie Absage, Reduzierung auf nur einen Tag oder Verlegung in eine andere Stadt standen daher nicht zur Diskussion. Am Ende des Tages möchte man wir uns mit der 10. und letzten Festivalausgabe gebührend verabschieden und allen Beteiligten, Partnern, Freunden, Musikern und vor von Euch für die letzten zehn tollen Jahre danken.“ (Serengeti Festival vom 3. Juli 2015)

Ich habe diese Worte gleichzeitig auch als Erklärung dafür gesehen, warum das diesjährige Line-Up nicht mehr das Niveau der letzten 2-3 Jahre erreichen konnte (auch wenn das natürlich so direkt nie gesagt wurde).

Trotz allen Vorzeichen habe ich mich natürlich derbe gefreut, auch in diesem Jahr vom Veranstalter wieder eine Akkreditierung mit Fotopass erhalten zu haben. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit der letzten 3 Jahre an die Vibra Agency!

 

Grafik_Freitag

Los ging es schließlich am Freitag mit einer Unwetterwarnung und einer vorübergehenden Räumung des Veranstaltungsgeländes. Für mich persönlich machte sich hier gleich der Standort-Vorteil bemerkbar. Die Tatsache, dass ich das Veranstaltungsgelände in knapp 20 Minuten mit dem Auto erreichen kann, erlaubte es mir, ganz entspannt zu Hause abwarten zu können wie sich die Lage entwickeln würde. Glücklicherweise war alles halb so schlimm und die Tore konnten schließlich um 18 Uhr (wieder) geöffnet werden. Blöd nur für Apologies, I have None und Jesper Munk, die leider komplett ausfallen mussten. Ich selbst passierte schließlich erst während des Gigs von Zugezogen Maskulin die Einlasskontrolle. Durch die Verlegung des Campingplatzes war der Tagesparkplatz der vergangenen Jahre quasi abgeschafft. Hatten hier doch annähernd 100% aller Camper ihr Auto abgestellt. Logisch, dass für die Tagesbesucher dann nicht mehr viel Platz dort blieb. Ich und viele andere durften somit einmal durch die Savanne ähhh.. Senne fahren, das Gelände umkreisen und ein gutes Stück hinter dem Safari-Park parken. Organisatorisch war das dort alles andere als professionell. Wurden die Einbahnstraßen auf dem Parkplatz doch von verschiedenen Richtungen genutzt und die (jungen und vermutlich unerfahrenen) Hilfskräfte waren völlig überfordert damit die Leute einzuweisen. Nun denn – nach dem der (doch recht lange) Fußweg zurückgelegt war, hieß es anstehen an der Presse/Gästelisten-Kasse. Hier bin ich es inzwischen schon gewohnt, dass lange Wartezeiten entstehen, da es immer wieder „Experten“ gibt, die dort versuchen Ihre normalen Festivalbändchen zu bekommen oder die Kasse als VIP-Kasse verstehen. Angesichts dieser Tatsachen ging das allerdings dieses Mal doch recht zügig und problemlos über die Bühne. Schließlich betraten gerade Emil Bulls die Hauptbühne, als ich noch nicht einmal meine Kameras ausgepackt hatte. Der Sound der Münchner Band geht steil nach vorne und brachte es fertig, die Festivalbesucher von Beginn an mitzureißen. Rechtzeitig als das Publikum die vom Sänger gewünschte „wall of death“ initiert hatte, war meine Kamera „schussbereit“, was sogleich einige actionreiche Bilder bedeutete. Nach diesem furiosen Auftakt sollte es etwas ruhiger weitergehen und es folgte bereits mein persönlicher Favorit des Abends: Marcus Wiebusch. Der Hamburger befindet sich gerade auf „Abschiedstournee“, bevor es nach seinem Soloprojekt dann wieder mit Kettcar weitergehen soll. Nach dem kurzzeitigen Regenschauer und der Startverschiebung herrschte ein tropisches Feeling in der Senne. Wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätte man sich in den Australischen Dschungel hineinversetzt gefühlt. Eine wahnsinnige Wärme mit tierisch hoher Luftfeuchtigkeit schaffte es irgendwie (dennoch) eine unfassbar gute Atmosphäre unter die Festivalbesucher zu zaubern. Anders als vorab befürchtet, ging Marcus Wiebusch mit seinem Gig hier keinesfalls unter, sondern brachte die Menge vor der kleineren (aber immer noch größen) Bühne zum pogen, lachen, tanzen und ausrasten. Höhepunkt im Set war wohl der Kettcar-Song „Deiche“, der richtig abgefeiert wurde. Es war einfach grandios! So fiel es mir auch schwer, rechtzeitig zu Genetikk den Ort des Geschehens zu verlassen. Aber natürlich wollte ich den Besuch im Graben auch hier nicht versäumen. Wie sich herausstellte, sollte dieser dann aber nur bedingt lohnen. Durch übertrieben viel Bühnennebel waren die in Masken gehüllten Künstler kaum zu entdecken oder gar anständig zu fotografieren. Das Gegenlicht machte es gar beinahe unmöglich. Zudem war ich relativ schnell angenervt von der Musik. Diese Art von Hip-Hop ist nun so gar nicht mein Fall. Keine Ahnung, warum die Kids hier drauf stehen und das entsprechend feiern..!? Also schnell wieder weg von der Hauptbühne zur 2nd Stage, wo um 21.15 Uhr die Mad Caddies ihren Auftritt haben sollten. Das war schon eher nach meinem Geschmack, auch wenn leider viel zu wenig Zeit war den Auftritt wirklich zu verfolgen und zu genießen. Schließlich legten Royal Republic dann um 22 Uhr den Auftritt des Abends (wenn nicht sogar des gesamten Wochenendes) hin! Die Schweden wussten mit einfachster Bühnendeko aus vermeintlich vergangenen Zeiten – ein paar Glühlampen sollten es richten – und einem ordentlichen Brett ehrlicher Gitarrenmusik sowohl für uns Fotografen als auch für die Zuschauer vollends zu überzeugen. Eigentlich schade und ein bisschen ungerechtfertigt, dass sie nicht den Headliner des heutigen Abends darstellen sollten – dazu aber später mehr. Bevor wir zum Headliner kommen, geht nichts an der Kyle Gass Band vorbei. Wer – wie ich – unwissend bei dem Namen mit den Schultern zuckt, dem sei gesagt, dass hier 50% der legendären Tenacious D auf der Bühne steht. Pünktlich um 23.45 Uhr sollten dann allerdings die Headliner des ersten Festivaltages die Bühne betreten: Pimpulsiv, Aligatoah DNP und Sudden alias Trailerpark betraten die Bretter vor denen inzwischen hauptsächlich ein recht junges Publikum aufwartete. Wie die Kombo selbst behauptet, möchte sie „das Sprachrohr für eine Jugend geprägt vom Komasaufen YouPorn-Clips und exzessiven Nihilismus“ sein. Dass sich dieses in den Texten nur allzu gut widerspiegelt, die ausnahmslos in der untersten Schublade und fern jeglicher Konventionen beheimatet sind, dürfte logisch sein. Ich kann hier zwar durchaus eine gewisse satirisch-ironische-Ader erkennen, habe aber trotzdem kein großes Verständnis für derlei Musik. Da höre ich mir dann im Zweifel doch noch eher die Kassierer an.. So ging der Freitag auch nach den drei Songs im Fotograben zuende ehe ich mich auf den langen und fast gänzlich unbeleuchteten Fußweg zum Auto aufmachte. Eine (!) einzige (!!) Lampe zierte hier den mehrere hundert Meter langen Weg durch den Wald, der auch regelmäßig von Bussen und Autos befahren wird. Wohl dem, der eine Taschenlampe hat. Ansonsen kann man wohl einfach froh sein, dass hier noch niemand zu größerem Schaden gekommen ist.

 

Grafik-Samstag

Anders als einige Fotokollegen, die bereits seit Stunden vor Ort waren, erreichte ich erst um kurz nach 17 Uhr das Gelände. Dadurch verpasste ich zwar leider Panteón Rococó, musste mir so aber wesentlich weniger Stress machen. Nicht verpassen wollte ich aber Sepultura. Die 1984 gegründete brasilianische Metalband ist schließlich eine Instutition, die es schließlich nun schon seit mehr als 30 Jahren gibt. Ein wahrlich brachialer Auftritt, der allerdings nicht unbedingt die Massen begeisterte. Direkt im Anschluss traten RDGLDGRN bzw. Red Gold Green auf der zweiten Bühne auf. Die Amerikaner, die hierzulande als Newcomer gelten, haben bereits 2013 ihr erstes Album herausgebracht und bringen in ihrem Sound eine spannende Mischung aus Hip-Hop, Raggae und (Indie-)Rock auf die Bühne. Das kann sich wahrlich hören und sehen lassen. Das Album jedenfalls dreht derzeit fleißig seine Runden in meinem CD-Player. Aufgrund des lediglich halbstündigen Auftrittes war es mir allerdings nicht möglich, deren Konzert komplett zu verfolgen bevor es mit Madsen weiterging, welche schließlich live ein absolutes Brett sind. Die Fotos warum somit quasi bereits vorher sicher im Kasten 😉 Die Wendländer rund um die Gebrüber Madsen haben gerade ihr neues Album Kompass auf den Markt geschmissen, was sie dementsprechend auch hier präsentierten. Hinsetzen, aufspringen, T-Shirts wedeln – alles war dabei, was man sich für einen Festivalauftritt wünschen kann. 45 Minuten Spielzeit und die Auftrittszeit von 18.45 Uhr waren dem eigentlich nicht würdig. Dillinger Escape Plan sorgten im Anschluss für Kurzweile – boten sie uns Fotografen doch eine echte Herausforderung damit, dass sie über die Bühne sprangen wie junge Rehe. Skindred hingegen ist inzwischen eine feste Größe des Festivals. Der eigenwillige Sound aus Dubstep, Raggae, Hardcore, Punk und Metal ist inzwischen fast jedem Besucher des Serengeti Festivals bekannt. Ihr Auftritt unterstrich das deutlich! Es folgten Against Me! die u.a. bekannt geworden sind durch die Geschlechterangleichung der Sängerin Laura Jane Grace. Ihr aktuelles Album „Transgender Dysphoria Blues“ thematisiert das ebenfalls. Eine ganz andere musikalische Richtung boten die Headliner Fünf Sterne Deluxe an diesem Abend. Die Combo ist wohl einer der wichtigsten Wegweiser der deutschen Hip-Hop Geschichte und bietet dabei ein ganz anderes Niveau als die Jungs von Trailerpark tags zuvor. Hits wie „die Leude“ wurden quasi von allen Besuchern abgefeiert. Irgendwie sind das ja alles allgegenwärtige Ohrwürmer, die viele noch mit ihrer Jugend verbinden. Interessant war, dass der Fotograben plötzlich aus allen Nähten platzte und zig Fotografen vor Ort waren, die zuvor noch nirgends gesichtet wurden. So kam es zu regelrechten „Grabenkämpfen“ um die besten Plätze. Ich freute mich vor allem über das tolle Bühnenlicht, was knackscharfe Aufnahmen mit geringen ISO-Werten ermöglichte und gepaart mit den Seifenblasen aus der ersten Reihe tolle Motive mit sich brachte. Die „Festivalband“ Monsters of Liedermaching gehört ebenso wie Skindred oder H-Blockx zu den Konstanten des Serengeti Festivals. So durften sie heute gar mit zwei Auftritten glänzen – der zweite dann eben nach Fünf Sterne Deluxe. Als vor dem Auftritt von H-Blockx als Intro „Radio Gaga“ kam, wurde plötzlich klar, dass uns die Veranstalter nur genatzt hatten und der wahre Secret Headliner Queen sein sollte. Scherz beiseite: Die Münsteraner betraten die Bühne und brachten den Samstagabend würdig zu Ende.

 

Grafik-Sonntag

„Bei solch einem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür“ sagt man. Bei ostwestfälischem Dauer-Starkregen überlegte ich tatsächlich stundenlang, ob ich mich überhaupt noch mal auf den Weg machen sollte. Die Tatsache, dass es der letzte Serengeti Festivaltag der Geschichte sein sollte, ließ mich dann aber gut präperiert und vor Regen geschützt, doch noch los fahren. Eine nette Ordnerin ließ mich gar kostenlos auf dem Mitarbeiterparkplatz parken. Dennoch war ich zu spät dran, um die Ruhrpottpunker von Sondaschule komplett zu erleben. Stimmung sollte aber an diesem Sonntag auch nur bei einigen Wenigen wirklich aufkommen, die dann aber immerhin ausgelassen im Schlamm tanzten. So verleitete der Regen die meisten doch wohl schon seit Stunden dazu, hier die Zelte frühzeitig abzubrechen. War man doch von bis zu 10.000 Tagesbesuchern ausgegangen, waren an diesem Nachmittag/Abend maximal um die 3.000 Leute gleichzeitig auf dem Gelände, um dem Treiben zuzuschauen. Immerhin hatte es irgendwann mal aufgehört zu regnen, so dass die 257ers annähernd im Trockenen fotografiert werden konnten. Das Trio schlug musikalisch und textlich in eine ähnliche Richtung wie Trailerpark und co., verbreitete aber mit einer Schaumkanone noch ein bisschen Stimmung an diesem ansonsten doch sehr trüben Sonntag. Coheed and Cambria spielten dann wieder in strömendem Regen. So war für mich auch schnell klar, dass die ersten Songs von Bad Religion meinen persönlichen Abschied vom Serengeti Festival bedeuten würden. Bei schönem Wetter, wäre das mit Sicherheit anders gewesen, zumal die Band mir bereits seit der Jugend ans Herz gewachsen ist. The Offspring hingegen erlaubten keine freie fotografische Berichterstattung. So bekamen nur einzelne Fotografen einen gesonderten Fotopass, der vor Ort um 21.15 Uhr ausgegeben wurde. Dafür mussten sie zuvor einen Vertrag unterschreiben, der ihnen vorschreiben wollte, welchen Ausschnitt vom Sänger sie ablichten durften. Ich bekam diesen Spezial-Fotopass zwar gar nicht angeboten, hätte einen solchen Vertrag aber mit Sicherheit auch nicht unterschrieben. Es ist einfach unfassbar albern, was manche sich einbilden. Aber dieses Thema nimmt im Musikbusiness ja mehr und mehr Überhand. Wenn man dazu noch bedenkt, dass die meisten Fotografen ihren „Job“ im Fotograben aus purer Leidenschaft für die Musik machen und noch nicht einmal ansatzweise ihren Lebensunterhalt damit finanzieren können, ist das einfach nur traurig. Gute Fotos sind doch schließlich für alle Beteiligten ein Gewinn.

Fazit

Wie eingangs bereits angedeutet, war meine persönliche Erwartungshaltung an dieses Wochenende in diesem Jahr nicht so sonderlich hoch. Natürlich hofft man dennoch darauf einfach positiv überrascht zu werden. Dieses gelang aber auch nur bedingt. Klar waren einige positive Überraschungen dabei: Royal Republic, die ich vorher eigentlich nicht sonderlich positiv in Erinnerung hatte, das tolle Konzert von Marcus Wiebusch, Fünf Sterne Deluxe und Madsen sowie allen voran eine einmalige Atmosphäre am dunstigen Freitagabend. Dennoch war es kein Vergleich mit den letzten drei Jahren. Woran lag’s? Nur an den Acts? Bedingt! Mich störten mitunter die doch recht geringen Spielzeiten. Tolle Künstler wie Marcus Wiebusch und Madsen mussten sich mit gerade einmal 45 Minuten begnügen. RDGLDGRN gar mit lediglich einer halben Stunde. Hinzu kam der oftmals krasse Schnitt zwischen unterschiedlichen Musikstilen. Oft folgten auf Hip-Hop-Acts harte Gitarrenklänge und andersrum. Auch wenn sich Genres heutzutage oftmals vermischen und viele Leute sich auch nicht mehr auf eine „Szene“ oder ein Genre festlegen möchten, empfand ich die Mischung teilweise als kontraproduktiv. Was die Gründe für all diese Sachen sind, weiß ich nicht. Dazu stecke ich nicht tief genug in der Materie. Vielleicht sollte das Programm absichtlich so bunt gemischt sein, damit sich die Leute nicht nur einen Tag aussuchen? Vielleicht hatten die Acts auch nur an dem jeweiligen Tag Zeit um auf dem Serengeti zu spielen? Vielleicht hängen die kurzen Spielzeit mit den beklagten überhöhten Gagen zusammen, die man so etwas drücken konnte? Vielleicht wollte man auch einfach möglichst viele unterschiedliche Bands auftreten lassen? Alles nur Mutmaßungen und darum auch nicht wirklich relevant. Die Eintrittspreise von bis zu 100 Euro für das Wochenende oder gar bis zu 60 Euro für einen Abend, empfinde ich – objektiv gesehen – für das gebotene als zu hoch. Klar, bei den ganz großen Events wie „Rock am Ring“, „Tomorrowland“ und co. werden noch einmal ganz andere Preise aufgerufen. Mir liegt es auch fern den Veranstalter da in irgendeiner Weise zu kritisieren – wahrscheinlich freuen die sich unter dem Strich bereits wenn keine Verluste zu beklagen sind. Vielmehr möchte ich da selbst noch einmal an die Worte des Veranstalters selbst erinnern und der Entscheidung, das Festival endgültig zu beenden, Respekt und Anerkennung entgegenbringen. Dass der Musikmarkt im Jahr 2015 anders funktioniert als noch vor ein paar Jahren sieht ja jeder Laie, wenn er sich mal eine Konzertkarte kauft. Unter 30 Euro ist mittlerweile auch bei unbekannteren Acts in kleineren Locations kaum noch etwas zu machen. Auch aufgrund der Eventisierung der Gesellschaft wird hier heute mehr Geld verdient als mit den eigentlichen Plattenverkäufen. Ich denke daher, dass man durchaus mit Freude auf die 10 Jahre Serengeti Festival zurückblicken sollte und den klugen Spruch „alles hat seine Zeit“ hier durchaus anwenden kann. Es ist eben manchmal besser eine Sache zu beenden als etwas fortzusetzen, was für alle Seiten die nötige Befriedigung nicht mehr mit sich bringt. Ich bin mir daher sicher, dass die Vibra Agency auch zukünftig tolle Konzerte und Events veranstalten wird und Ostwestfalen nach wie vor ein Standort dafür sein wird. In welcher Form auch immer. Wir lassen uns überraschen und freuen uns drauf. Jetzt sage ich einfach noch mal DANKE!

 

ZU ALLEN FOTOS!

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