.EINE ODE AN DIE BELANGLOSIGKEIT

// Wenn wir am heutigen letzten Tag nun über das Jahr 2019 philosophieren, kann ich an dieser Stelle verraten, das es für mich ein tolles Jahr war. Beruflich lief es größtenteils rund, so dass ich sehr zufrieden damit sein kann. Privat ist sowieso alles in bester Ordnung und so gibt es nicht so wahnsinnig viel Negatives, was ich mit dem letzten Jahr dieses Jahrzehnts verbinde. „Arternative Design“ habe ich immer von zwei Seiten der Medaille gesehen. Einerseits, um mich künstlerisch in Form von Fotografie und Design zu entfalten und andererseits, um damit auch etwas Geld zu verdienen. Während Letzteres nach wie vor in gewünschter Größenordnung funktioniert, habe ich in den letzten Jahren beim künsterlischen Aspekt immer mehr Zurückhaltung geübt.

Meinen gestrigen vorletzten Urlaubstag wollte ich ursprünglich dazu nutzen, einen Foto-Hotspot in OWL zu „machen“. Das bereits von mir erwanderte Silberbachtal bei Horn Bad-Meinberg stand auf dem Plan. Das Wetter war bestens und so sollte dem Vorhaben nichts mehr im Wege stehen. Aus verschiedenen Gründen habe ich mich schließlich aber nicht ins Auto gesetzt, um dieses eine Foto zu machen, was schon zigfach in ähnlicher Form gemacht wurde. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass meine Motivation nicht mehr so besonders groß ist, „Hotspots“ zu fotografieren, die schon tot fotografiert sind und zigfach bei Instagram geteilt werden. Sicherlich sind die kleinen Wasserfälle im Silberbachtal nicht gerade das Paradebeispiel dafür. Was mich inzwischen anödet und nervt is tviel mehr die Art und Weise wie inzwischen (kunstvolle) Fotografie verstanden wird: „Mache ein tolles Foto von einem Hotspot, den viele faszinierend finden und hole Dir Dein Lob in Form von Likes ab“. Das scheint für viele das Rezept und die Motivation zu sein, sich die Kamera zu schnappen und für das Motiv loszuziehen. Auch ich kann mich davon sicherlich nicht zu 100% freisprechen, aber gleichzeitig stößt mich dieses auch immer mehr ab. Reflektiert und selbstkritisch betrachtet siegen in meiner Freizeit oft andere Prioritäten gegenüber den künsterlischen Ergüssen. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass sich für mich – vor allem durch Instagram – vieles einfach total überfrachtet und ausgelutscht anfühlt. Während man sich anfangs noch über die tägliche Fülle an schönen Landschafts-, Konzert-, Portrait-, Street- oder Architekturaufnahmen freut, die man teilweise auch liked, nimmt unser Gehirn dieses nach einigen Tagen Routine schon gar nicht mehr wahr (Stichwort Aufmerksamkeitsspanne). Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich beispielsweise die „Burg Eltz“ inziwschen schon hier gesehen habe… Im Gegensatz zu anderen Nutzern, habe ich es immer so gehalten, das ich (genau wie hier) alles etwas vermischt habe und das dort präsentiere, was mir gefällt und gerade Spaß macht. Dese auf „hochglanz“ getunten Profile mit immer den gleichen Fotostilen und „Filtern“ schrecken mich genauso ab wie die Überfrachtung der immer gleichen Hotspots, die der Algorhythmus einen in das Profil spült.

Und genau das ist auch der Grund, warum ich mir gestern meine Kamera mit 35mm Festbrennweite geschnappt habe und einfach einen Spaziergang in meiner Umgebung gemacht habe mit dem Ziel Belanglosigkeiten zu fotografieren, die auf dem Foto interessant aussehen könnten. So wie man es damals gemacht hat, als die Spiegelreflexkamera noch neu war. Mir hat das großen Spaß gemacht und mich wieder ein bisschen an alte Zeiten mit der DSLR erinnert. In diesem Sinne, plädiere ich dafür, einfach mal wieder bewusst auf Kleinigkeiten zu achten und auch Belanglosigkeiten und Details eine Chance zu geben. Die großen Sehenswürdigkeiten kann schließlich jeder fotografieren.

Also auf in das neue Jahrzehnt, was hoffentlich auch mal wieder ein bisschen bewusster wahrgenommen wird und sich nicht andauernd selbst überholt. Wohlgemerkt nicht nur in der Kunst und Fotografie. Aber hier sind die abgeschafften Likes bei Instagram ein guter und richtiger Schritt.

 

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