.PHOTOKINA 2018? OHNE MICH!

// Es war mal wieder soweit: Photokina-Jahr! Die ganze Branche und alle Fotografen und Foto-Fans lechzten nach der Messe und den dort präsentierten Neuheiten? Alle Foto-Fans und Fotografen? Nicht ganz, ein kleiner, unbedeutender Bielefelder Fotograf (und wahrscheinlich noch ganz viele andere) verweigerten sich diesem Schauspiel in diesem Jahr. Warum?

Da gibt es freilich viele Möglichkeiten und Erklärungsansätze. Ich will heute mit meinem kleinen Beitrag niemanden verurteilen, der die Photokina besucht hat. Darum geht es mir ganz und gar nicht. Vielmehr will ich Euch meine ganz persönliche Argumentation darlegen und bestenfalls dazu anregen, sich diesbezüglich einmal selbst zu reflektieren:

Ich kann von mir seit gut einem Jahr sagen, ich bin „rundum versorgt“ und besitze derzeit alles an Fototechnik und -Equipment, was ich persönlich für mich besitzen möchte. Anders gesagt: Es hat sich ein „Sättigungsgefühl“ eingestellt. Das Bedürfnis nach immer neuer Technik, neuem Zubehör und Innovationen ist bei mir derzeit komplett gestillt. Das liegt sicherlich einerseits an den o.gen. Gründen, aber andererseits auch daran, dass ich seit einigen Jahren den Eindruck habe, dass die Hersteller ihre Kunden oftmals für dumm verkaufen. Die großen Branchenführer Nikon und Canon haben nun schon seit Jahren keine wirklichen Innovationen mehr auf den Markt gebracht, die die Branche revolutioniert haben. Die letzte echte Innovation war die Nikon D800, die 2012 auf den Markt gebracht wurde und erstmals in der Geschichte der Vollformat-Kameras eine Auflösung erreichte, die sonst nur teure Mittelformat-Kameras erreichen konnten. Dass die 36MP der Nikon D800 heute keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Spannender ist es daher zu hinterfragen, was bei den beiden großen Herstellern seit dem wirklich passiert ist. Die Antwort fällt ernüchternd aus: Nicht viel! Im Bereich der Spiegelreflex-Technologie halten sich nach wie vor beide die Waage, was in den letzten Jahren in einige zaghafte Upgrades gipfelte, die sich aber kaum mehr von der Technik unterscheiden, die auch schon vor rund 5 oder 6 Jahren up-to-date war. Ein paar neue Bodies mit einigen kleinen neuen Feinheiten und ein paar Objektive hier und da, hielten die Foto-Fans bei Laune. Auch wenn sie z.T. deutlich höhere Preise als bislang gewohnt für Ihr „Spielzeug“ zahlen mussten. Während eine Nikon D800 damals für rund 2500 Euro neu zu erwerben war, kostete der Nachfolger, Nikon D810, direkt mal 3200 Euro. Ähnlich verhielt es sich mit den Neuauflagen der Klassiker-Objektive 24-70 und 70-200, welche jeweils vom Start weg mit deutlich über 2500 Euro über die Tresen gingen. So konnte man durchaus den Eindruck gewonnen, dass die fette Kuh der DSLR-Fotografie noch einmal richtig gemolken werden sollte. Dass sich der große Mitbewerber Sony zeitgleich eine Marktführungsposition im Segment der spiegellosen Systemkameras aufbaute, nahm man scheinbar achtlos zur Kenntnis. Genauso wie die Tatsache, dass Tamron und vor allem Sigma inzwischen hochwertige Objektive am Markt haben, welche die „Originale“ teilweise in den Schatten stellen und dabei deutlich günstiger sind. Nachdem man bei Nikon zur Photokina 2016 schon gescheitert war mit der Einführung verschiedener Actioncams, versucht man es dort und bei Canon nun auch endlich mit den hochwertigen Lösungen der spiegellosen Fotografie. Erste Kritiken nach zu urteilen, handelt es sich dabei um sehr gute Kameras, die „state of the art“ sind und es zumindest ansatzweise mit ihren großen Konkurrenten aufnehmen können. Scheinbar hat man es aber auch hier verpasst, eine Innovation zu launchen und die Fans, die seit Jahren warten, mitzunehmen. Kurzum: Man hat versucht nachzuziehen und präsentiert nun eine Weltneuheit, die eigentlich gar keine ist und (zumindest im Falle der Nikon Z7) preislich in eine neue Dimension vordringt, die auch viele „Fans“ abschrecken dürfte.

Die Fotoindustrie ist aus meiner Sicht in den letzten Jahren immer mehr zu einer aufgeblasenen Marketing-Maschinerie geworden, die den Kunden vorgaukelt, immer neue Technik zu benötigen, die immer teurer wird. Dass die Entwicklung der spiegellosen Fotografie sicherlich rasend schnell voranschreitet und sich mitunter genauso schnell selbst überholt wie die der Smartphones, bestreitet niemand. Aber im Bereich der DSLR-Fotografie ist schon seit langem ein Punkt erreicht, wo eine technische Weiterentwicklung nur noch bedingt Sinn ergibt.

Weiterhin ist die Selbstdarstellung einiger Fotokünstler mir einfach zu viel geworden, so dass ich den Hype um sie nur schwer nachvollziehen kann. Ich gehöre zu denjenigen, die generell skeptisch sind, wenn es um Hypes und (übetriebenen) Personenkult geht. So sind Youtube-Stars genauso wenig „mein Ding“ wie Influencer. Ohne Frage, gibt es viele gute Fotokünstler und technikaffine Fotografen, die tolle Sachen machen und nicht zuletzt auch mir geholfen haben, besser zu werden. Dennoch hat für mich alles seine Grenzen und so sehe ich einfach keine Legitimation darin, bei Fotografen anzustehen, um sich ein Autogramm von ihnen zu holen oder ein Selfie mit ihnen zu machen. Das ist einfach nicht meine Welt. Das alles darf und soll natürlich jeder entscheiden, wie er mag.

Für mich bleiben die Kamera und die ganze Technikwelt drum herum vor allen Dingen ein Werkezug. Zugegebenermaßen ein sehr schönes Werkzeug, dass es mir erlaubt meine persönlichen Ziele zu erreichen und meine Kreativität in der Fotografie auszudrücken. Das ganze Drumherum brauche ich persönlich daher nicht.

.PHOTOKINA 2016

// Nach der Photokina 2014 war ich eigentlich ziemlich resigniert. Hat mir die Messe vor zwei Jahren doch nicht wirklich gefallen. Warum? Ich habe damals nichts Neues gesehen oder erlebt, was ich nicht vorher auch schon kannte. Die Messestände der großen Hersteller waren annähernd identisch zum Jahr 2012 und obendrein gingen mir die vielen speichelnden „Rudelshootings“ gehörig auf die Nerven, die sich immer dann bildeten, sofern irgendwo ein halbnacktes Mädel als Model auftauchte. Daher wollte ich dieses Jahr eigentlich auch gar nicht wieder hinfahren. Plötzlich flatterten dann aber ein paar gratis Gutscheine ins Haus und Zeit sowie Mitfahrer waren auch schnell gefunden. Also ging es am zweiten Messetag (Mittwoch) auf den recht überschaubaren Weg ins knapp 200km entfernte Köln.

Um es vorweg zu nehmen: Ich freue mich, dass ich dann doch hingefahren bin! Positiv überrascht war ich einerseits von den vielen, tollen neuen Messeständen der großen Hersteller und andererseits auch von den Produkten. So gab es dieses Mal doch einiges zu entdecken: Wie in den Medien ja schon ausschweifend berichtet, war auf der diesjährigen Photokina das Thema Nr. 1: „360 Grad Videos“ und deren dazugehörige Kameras. Nikon setzte sein Modell gekonnt in Szene, so dass man es mithilfe einer VR-Brille direkt erleben konnte. Ich muss zugeben, dass ich seit dieser Erfahrung geil auf diese Technik bin und schon große Lust darauf hätte, selbst damit herumzuexperimentieren. Allerdings hat mich die Qualität aber auch nicht überzeugen können. Zumindest die Qualität. die ich durch die VR-Brille gesehen habe, lässt (noch) arg zu wünschen übrig. Mir ist dabei im Moment nicht ganz klar, ob es hier an der Brille oder an der Kamera liegt. Generell ist aber klar, dass die 360°-Kameras jetzt erst auf dem Qualitätsstandard der Smartphones von vor fünf Jahren sind. Insofern steht die Technik also noch ziemlich am Anfang und es ist wohl etwas Geduld gefragt, bevor man dafür viel Geld ausgibt.

Der wichtigste Besuch des Tages sollte allerdings der des Sigma-Standes sein: Zur diesjährigen Photokina ist nun dann doch tatsächlich das 85mm ART von diesem Hersteller vorgestellt worden. Die Präsentation vor Ort war allerdings recht ernüchternd. Abgesehen davon, dass das Standpersonal recht unfreundlich war, durfte ich die Linse nicht an meinem eigenen Body testen und konnte mir daher leider auch keine Testbilder mit nach Hause nehmen. Ich schätze, dass das Objektiv einfach nicht für fremde Bodies ausgelegt war und man daher auch vermeiden wollte, zu viele schlechte Testbilder herauszugeben. Das, was ich auf dem ersten Blick auf dieser Demo-Linse gesehen habe, war allerdings sehr vielversprechend. Im November soll es mit einer UVP von 1.299,- Euro in den Handel kommen. Anfang des kommenden Jahres dürfte der Straßenpreis dann erträglich genug sein, um zuzuschlagen! Ich freue mich schon drauf!

Ebenfalls freue ich mich aber auch auf mein neues Spielzeug: AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR
Dieses Zoom-Schätzchen konnte ich auf der Photokina dann einmal kurz in Augenschein nehmen und war ob der Qualität und Schärfe bei den miesen Bedingungen absolut beeindruckt. Mein Bauchgefühl zu diesem Objektiv wurde also bestätigt. So habe ich mich dann nun final gegen die Pendants von Sigma und Tamron entschieden und nun gestern das „Original“ bestellt. Dazu werdet Ihr an dieser Stelle ganz bestimmt demnächst mehr lesen. Jetzt beende ich diesen Bericht mit ein paar optischen Eindrücken von der Messe:

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.PHOTOKINA 2014

// Nachdem mein erster Photokina-Besuch 2012 unter dem Strich gar nicht einmal so spannend war, wie ich es ursprünglich erhofft hatte, war ich in diesem Jahr etwas zwiegespalten bezüglich eines erneuten Besuches. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen war klar, dass für den Besuch nur ein Wochenendtag in Frage kommen könnte. Ein entsprechender Besucherandrang war also zu befürchten. Nun stellte Nikon kurz vor der Photokina seine neue D750 vor. Mit dieser detaillierten Enthüllung war für mich dann theoretisch klar, dass es nichts Wirkliches gab, was mich aktuell noch auf der Messe interessierte. Also hatte ich den Besuch gedanklich schon abgehakt und mich stattdessen auf ein entspanntes Wochenende gefreut. Am Donnerstag zuvor hatte mich aber irgendwie doch noch die Lust gepackt und das „Gefühl etwas zu verpassen“ hat mich dann am Samstag den 20. September die knapp 200km nach Köln fahren lassen.

Aufgrund eines nahezu perfekten Zeitmanagements stand ich um Punkt 10 Uhr vor dem Eingang der Messehallen, nachdem ich vom Parkplatz aus lediglich eine Straße überqueren musste. Große Schlangen oder gar Gedränge gab es glücklicherweise nicht und so zeichnete sich auch schon direkt ab, dass die befürchtete „Überfüllung“ ausbleiben könnte. Mein erster Gang war der Weg zum Nikon-Stand (praktischerweise am anderen Ende des Geländes..). Hier musste natürlich trotz aller Unkenrufe die neue D750 in die Hand genommen werden. Im Gegensatz zur D600/610  bzw. der D7000er-Serie fällt positiv auf, dass der Griff besser ausgeformt ist und sie einfach deutlich besser in der Hand liegt. Auch der Sucher machte für mich keinen schlechten Eindruck. Dennoch werde ich mit dem Body einfach nicht so recht warm nachdem ich mich einmal an meine D800 gewöhnt habe. Aufgrund der unterschiedlichen Benutzerführung kommt diese Kamera für mich nicht (wie ursprünglich mal erhofft) als Zweitkamera in Frage. Bei Events wie Hochzeiten oder Konzerten ist es schon arg unangenehm, wenn man bei jedem Griff zum anderen Body umdenken muss und so im Zweifel wichtige Momente verpasst. Schließlich geht es hier im Zweifel um Sekunden..! Wie so viele hätte ich mir eine solche Kamera im D800-Body gewünscht und wäre vermutlich vollkommen begeistert gewesen. Nun steht für mich fest, dass Nikon hier zwar ganz sicher eine gute Kamera auf den Markt gebracht hat, allerdings diesen Wunsch nicht bedienen will und Leute wie mich vermutlich dazu „zwingen“ will mehr Geld auszugeben um eine zweite Kamera der 800er Serie zu kaufen. Das ist dann doch etwas schade, zumal es ja durchaus Vorteile gibt eine Zweitkamera zu besitzen, die weniger MP hat als die große D800… Nun denn: Es soll nicht sein! Begeistern konnte mich dann aber doch auch noch der Griff zum neuen Nikkor 20mm 1.8. Auch wenn diese Linse in meinem Equipment derzeit keinen Platz hat, machten die Testschüsse, die ich mit ihr gemacht habe, allesamt einen sehr guten Eindruck.

Noch mehr begeistern konnte dann aber doch tatsächlich der Griff zur D810. Natürlich stellt sich als Besitzer der D800 unweigerlich die Frage, ob es sein muss, hier schon jetzt einen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Das kann man sicherlich verneinen, denn technisch gesehen ist der Nachfolger der gerade einmal 3 Jahren jungen D800 sicherlich keine Revolution. Dennoch muss man anerkennen, dass die D810 eine sinnvolle Weiterentwicklung ist. Bereits bei kurzer Betrachtung fallen drei Änderungen merklich auf: 1. Der wesentlich leisere Verschluss und 2. das hellere und (gefühlt) schärfere Display und 3. der noch besser ausgeformte Griff. Im Inneren ist dann natürlich noch wesentlich mehr los: So hat Nikon z.B. bei der D810 den Tiefpassfilter gespart (nach Vorbild der D800E). Schlussendlich beschleicht einen natürlich nun etwas das Gefühl, dass die D800E von Anfang nur eine Art Testmodell war um das Weglassen des Tiefpassfilters in der Praxis direkt beim Kunden zu testen. Ob dieses dann allerdings einen Mehrpreis von 700 Euro wert war, darf jeder für sich entscheiden. Nun ist man wenigstens konsequent und hat ihn hier gleich weg gelassen. Weiterhin bietet die D810 (im Gegensatz zum Vorgänger), die Möglichkeit, kleinere RAW-Dateien aufzunehmen. Hierzu liest man allerdings wenig Positives… Für mich persönlich sowieso irrelevant, da ich mich an die große Auflösung gewöhnt habe und es generell nicht einsehe „mit angezogener Handbremse“ zu fotografieren, wenn ich mir so selbst die Möglichkeit raube, dass mehr geht. Spannend hingegen scheint das neue Autofocus-System zu sein, bei welchem es nun – nach Vorbild der D4 – einen Gruppen AF gibt, der sicherlich für Action und Sport durchaus seine Berechtigung hat. Etwas schneller ist die Kamera auch geworden, die ISO-Performance soll einen Hauch besser sein und im Videomodus gibt es jetzt satte 60 Bilder/Sekunde in FullHD. Der eingebaute Expeed 4 Prozessor soll für viele dieser Neuerungen verantwortlich sein und so noch mehr Qualität aus den Aufnahmen herauskitzeln. Ohne die Kamera wirklich ausgiebig getestet zu haben, ist mein persönliches Fazit rundweg positiv. Zwar gibt es sicherlich immer noch Details, die man verbessern könnte, aber wenn man z.B. sieht, dass WLAN und GPS fehlen, erhärtet sich der Eindruck, dass Nikon manche Features bewusst an bestimmten Kameras fehlen, um die Preisdifferenzierungen zu rechtfertigen. Es mag sicher Leute geben, die hierbei von „Kundenverarsche“ sprechen, aber ich denke, dass der von Nikon eingeschlagene Weg der Produktdifferenzierung durchaus legitim ist. Machen wir uns nichts vor: Mit der derzeitigen Technik ist man im Fotobereich bereits an eine gewisse Grenze gestoßen, die derzeit nur schwerlich noch weiter ausgedehnt werden kann. Im Bereich der Spiegelreflexkameras ist die Qualität bereits mit dem Erscheinen der D4 und der D800 in Bereiche hervorgerückt, die nur noch schwer zu toppen sind. Wenn man dann alle derzeit technischen möglichen Features auch tatsächlich in jede DSLR verbauen würde, wäre eine Differenzierung am Markt ja kaum mehr möglich. Spannend könnte ich mir hingegen allerdings eine vom Kunden individuell bestückte Kamera vorstellen. Das ist ja nicht nur in der Autoindustrie heutzutage gang und gäbe, sondern findet sich in immer mehr technischen Bereichen wieder. Ob allerdings der Abgesang der DSLR-Kameras wirklich so gerechtfertigt ist, wie er aufgrund der anschleichenden Marktübernahme der spiegellosen Systemkameras vollzogen wird, wird sich zeigen. Ich persönlich kann und will noch nicht so recht daran glauben und schätze eher, dass der DSLR-Markt zukünftig irgendwann noch noch Vollformater beheimaten wird. Es bleibt spannend!

Zurück zur Photokina und direkt rüber zum größten Konkurrenten Canon: Ich persönlich halte ja nicht viel von diesem peinlichen Kindergartengezicke ála „meine Schaufel ist besser als Deine“, aber Canon konnte mich auf der Photokina deutlich weniger begeistern als Nikon. Der Stand ist wahrlich hübsch designed, wirkt aber aufgrund der niedrigen Decken und der dominierenden dunkeln Farben nicht unbedingt einladend. Weiterhin finde ich (als Printdesigner) auch nicht gerade toll, wenn man am Zugang zum Stand mitgeteilt bekommt, es gäbe keine gedruckten Prospekte mehr und man solle sich alles was man benötige über einen Code aus dem Internet herunterladen. Klar kann man das machen, aber dafür fahre ich ja nicht unbedingt zu einer Messe und wenn ich mir wirklich technische Geräte für mitunter mehrere tausend Euro kaufen will, möchte ich mich doch auch vorher gerne über die Details informieren. Und das geht m.E. immer noch am besten in dem ich mir abends auf dem Sofa in Ruhe einen Prospekt anschaue.

Da es dort aber auch sonst eh nicht viel Neues zu bestaunen gab, konnte ich mich schnell loseisen und stattdessen den wahnsinnig schönen Stand von Leica (oder soll ich besser schreiben, die „eigene Halle“) begutachten. Nicht nur die Produkte selbst, sondern auch der Stand können hier mit einem schönen Minimalismus überzeugen, der nur noch durch die riesige eigene Galerie im hinteren Bereich getoppt wird. Wirklich ganz, ganz großer Sport!

Zubehör, Lichttechnik und CGI habe ich anschließend nur im Vorbeigehen „mitgenommen“ und mich stattdessen auf die anderen großen Hersteller konzentriert. Auf meinem Weg durch die Hallen sind mir dabei besonders die Leute negativ aufgefallen, die die (teils leicht bekleideten) Models „sabbernd“ abfotografierten. Dass es sich dabei oftmals um ältere Semester handelt darf jeder für sich interpretieren. Offensichtlich scheinen diese Herrschaften sich andernorts keine eigenen Shootings organisieren zu können oder zu wollen. Ebenfalls schwer nachzuvollziehen ist es für mich, wie man mit zwei Bodys, den dicksten Teleobjektiven und wohl möglich noch einem Stativ (tatsächlich gesehen!) über so eine Messe laufen kann. Ein Body und ein Standardobjektiv mögen ja noch Sinn machen, aber alles darüber hinaus ist für mich dann doch irgendwie peinlich. Aber jeder macht sich bekanntlich so gut er kann selbst lächerlich..!

Weiterhin ein bisschen negativ aufgefallen ist mir z.T. das Standpersonal. Womit wir bei meiner weiteren Reise am Sigma-Stand angekommen wären. Hier wollte ich gern mal das neue 50er Objektiv der ART-Serie ausprobieren. War auch kein Problem und die ansehnliche Hostess gab mir Kamera samt Objektiv direkt in die Hand. Ein tiefergehendes Gespräch über das gute Stück Technik sollte allerdings nicht zustande kommen, denn „das ist schön scharf“ war alles, was es – auf Nachfrage – an inhaltlichen Details von ihr zu sagen gab und weitere Rückfragen konnten von ihr nicht beantwortet werden. Wahrscheinlich kann die gute noch nicht einmal etwas dafür, aber wenn ich doch meine Produkte verkaufen will und auf einer Messe dementsprechend potentielle Kunden berate, ist es mir unbegreiflich, warum ich kein geschultes Personal hier platziere. Schönes Stück Glas übrigens, aber so selten wie ich mein 50er derzeit überhaupt noch einsetze ist der enorme Mehrpreis von ca. 600 Euro zu meinem Nikkor 1.8 G wohl eher nicht so sinnig. Ganz anders als bei Sigma war es dann beim Tamron-Stand. Auch wenn ich hier nicht so recht nachvollziehen konnte, warum man die Bühne direkt neben dem Beratertresen platzierte, war ein Ausgiebiges „Spielen“ mit dem neuen 150-600er und eine persönliche Beratung mit Fachkenntnis hier selbstverständlich. Mir persönlich dann doch lieber als einfach „etwas für’s Auge“. Dieses Objektiv steht übrigens recht weit oben auf meiner „haben wollen“-Liste. Für den Preis hat Sigma da schon etwas auf den Markt geschmissen was man sonst nicht findet. Darüber hinaus wissen auch Haptik, Größe und Gewicht vollends zu überzeugen. Noch fehlt mir allerdings ein sinnvoller dauerhafter Einsatzzweck für dieses schöne Stück. Aber wer weiß..!?

Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Sony bot das meiner Meinung nach beste inszenierte Live-Shooting. Es stand mal nicht die nackte Haut im Vordergrund und man hatte während des Vortrages bereits die Möglichkeit die Fotos auf den zahlreich angebrachten Fernseher zu begutachten.

Überhaupt gibt es natürlich zahlreiche Möglichkeiten, sich sinnvolle Vorträge oder Live-Shootings anzuschauen oder die Telebrennweiten bei der Live-Flugshow zu testen. Für mich persönlich dann aber doch alles nicht sooo spannend, um hier noch stundenlang die Zeit zu vertrödeln und in einer Menschentraube stehend einen Blick auf die Bühnen zu erhaschen. Ich schloss den gelungenen Ausflug dann doch lieber mit einem kleinen Streifzug durch die verbliebenen Galerien (hier konnte mich vor allem der Naturfoto-Part sehr begeistern!) ab und griff auf dem Weg zum Auto noch ein paar kostenlose Fotozeitschriften ab.

Alles in allem war der Photokina-Besuch sicherlich weder Geld- noch Zeitverschwendung, aber einen großen „WOW-Effekt“ gab es auch nicht. Irgendwie ja auch verständlich. Wie weiter oben schon beschrieben, sehe ich die Branche technisch gesehen derzeit irgendwie am Limit angekommen. Außerdem muss man natürlich immer bedenken, dass eine Messe nichts Anderes ist als eine kommerzielle Veranstaltung, wo es in erster Linie darum geht, Produkte an die Käuferschaft zu bringen bzw. diese schmackhaft zu machen. Das gilt auch für die vielen kreativen Workshops und Vorträge von Calvin Hollywood und co., welche ich mir persönlich eh lieber auf Youtube anschaue. Dennoch ist der Zweck dieser Messe unter dem Strich der Umsatz für die Aussteller, weshalb die tolle „Erlebniswelt“, die viele vielleicht erwarten auch einfach nicht realistisch ist.

Schauen wir mal wohin der Zug in den nächsten zwei Jahren führt, bis Köln mit der nächsten Photokina ruft. Man darf sicherlich gespannt sein.

Zum Schluss noch ein paar Schnappschüsse mit der kleinen Fuji X20 ohne größeren fotografischen Anspruch:

 

 

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