.MIT DEM GORILLAPOD AN DER CÔTE D´AZUR

// Kurz bevor es Anfang April auf einen relativ spontanen Urlaubstrip an die französische Côte d’Azur ging, überlegte ich mir, dass ich eigentlich keinen Bock darauf hätte, mein großes Manfrotto-Stativ in den Koffer zu stopfen und dann an den wenigen Tagen, die wir vor Ort sein würden, damit herumzulaufen. Aber ohne Stativ nun mal keine vernünftigen Nachtfotos und so entschied ich mich (ebenfalls relativ spontan) dafür mir ein sogenanntes „Gorillapod“ anzuschaffen der Marke „Joby“ anzuschaffen. Nach wenigen Minuten Internetrecherche wurde schnell klar, dass das Modell „Gorillapod Focus“ das richtige für mich, meine Nikon D810 und meine schweren Objektive sein würde. Ich entschied mich für ein Ebay-Angebot der Firma „Technikdirekt“ aus Würzburg. Nicht zwingend des Geldes wegen. Mehr aufgrund der Tatsache, dass die Firma der einzige Anbieter war, den ich fand, der das gute Stück innerhalb einer Woche liefern konnte. Es wechselten knapp 80 Euro den Besitzer. Ich entschied mich gegen den Kauf eines zusätzlichen Kugelkopfes. Schließlich habe ich einen passenden, den ich voraussichtlich eher nicht zeitgleich mit meinem Manfrotto-Carbon-Stativ benötigen werde.. Pünktlich, zwei Tage vor dem Abflug traf das Paket bei mir ein. Ich wunderte mich anfangs doch ziemlich über die kompakten Ausmaße und das „Fliegengewicht“ (640g). Aufgrund des kompakten Packmaßes entschied ich mich für die bevorstehende Reise gegen die Verwendung meines Kugelkopfes. So packte ich lediglich den Gorillapod mit in den Rucksack, welches so kaum Platz und Gewicht weg nahm.

Kaum gelandet, dauerte es nicht lange, bis der kleine Stativersatz seinen ersten Einsatzzweck fand:

Promenade des Anglais am Abend

Es sei erwähnt, dass dieses Foto nicht ganz einfach zu schießen war. Wie Ihr seht, ist unten links im Bild noch die Balkon-Brüstung zu sehen, welche leider nicht perfekt für den Gorillapod Focus war. So musste mit Hilfe eines Tisches und etwas Feingefühl (…was ich ja eigentlich nur selten habe…) ein bisschen experimentiert werden. Dieses sollte im Zusammenhang mit ein wenig Geduld kein Problem darstellen. Zum verhängnis wurde mir allerdings bereits jetzt die Tatsache, keinen Kugeldkopf auf das gute Stück geschraubt zu haben. Wenn das Gorillapod einmal steht, dann steht es auch recht fest und ist nur schwierig wieder neu zu justieren, wenn der erwähnte Kopf fehlt.

Am letzten Abend unseres Aufenthaltes, entschied ich mich dann dazu, dass schöne Wetter zu nutzen und den Sonnenuntergang samt anschließnender blauer Stunde einzufangen. Hier stellte sich der kleine Helfer dann wahrlich als geeigneter Stativersatz heraus:

Nice

Die Engelsbucht im Abendlicht

Engelsbucht von Nizza nach Sonnenuntergang

20160403-07_Nizza+Co-307

Colline du Château

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Hafen von Nizza

Leuchttum von Nizza am Abend

Der kleine „Freund & Helfer“ machte als „Dreibein-Ersatz“ (z.B. auf einer Mauer) eine sehr gute Figur und hielt sowohl an unterschiedlichen Geländern bombenfest, so dass Belichtungszeiten von 30 Sekunden überhaupt kein Problem war. Dabei sei erwähnt, dass meine Nikon D810 dabei mit einem Batteriegriff und dem opulenten TamronSP 15-30mm F/2.8 Di VC USD ausgesgattet war. Hilfreich sind hier ürbigens Geländer mit eckigen Streben, da sich das Gorillapod da wunderbar dran „einhaken“ lässt.

Ich kann daher nur zu dem Fazit kommen, dass das erworbene Modell „Gorillapod Focus“ meine persönlichen Ansprüche und Erwartungen voll erfüllt. Auch wenn der Preis zunächst einmal nicht günstig wirkt, releativiert sich dieser wenn man ihn mit den Anschaffungskosten für anständige Stative vergleicht. Zum Abschluss sei erwähnt, dass dieser kleine Helfer zwar auch ohne weiteres Zubehör (wie einen kugelkopf) funktioniert, meine Erfahrungen mir aber gezeigt haben, dass es sinnvoller ist, nächstes Mal lieber einen drauf zu schrauben.

.BEACHTENSWERTE LANDSCHAFTSFOTOS OHNE GROßEN AUFWAND

// Die Landschaftsfotografie ist oft eines der ersten Felder mit denen sich Amateurfotografen auseinandersetzen. Schöne Landschaften gibt es immer zu finden. Sei es vor der eigenen Haustür oder am Urlaubsort. Die Bilder sind oft schnell im Kasten und manchmal sogar im Vorbeigehen geschossen. Zack, die tolle Landschaft ist im Kasten und kann dann später den Freunden und Bekannten stolz präsentiert werden. Von denen gibt es lobende Worte und Anerkennung für das tolle Auge. Damit ist der Schritt zu Fotowettbewerben und Internetforen nicht weit. Kaum dort hochgeladen, folgen allerdings die ersten kritischen Kommentare: „schiefer Horizont“, „fehlender Vordergrund“, „langweilige Lichtstimmung“ usw. Etwas in der Art hat vermutlich jeder von uns zu Beginn seiner fotografischen Leidenschaft schon einmal erlebt. Dabei ist es oftmals ganz einfach, mehr aus den Motiven herauszuholen. Das wichtigste dabei ist eine entsprechende Vorbereitung.

Dabei ist es besonders hilfreich nicht einfach sofort drauf los zu knipsen, sondern erst einmal „die Lage zu checken“:

– Welches Motiv könnte interessant sein?
– Von wo kann ich das Motiv am besten in Szene setzen?
– Kann ich einen ansprechenden Vordergrund in die Szene einbauen, damit das Motiv mehr Tiefe bekommt?
– Wie fällt das Licht zu welchen Zeiten auf das Motiv?
– Wie wird das Wetter?

Das liest sich natürlich alles zunächst erst einmal sehr kompliziert und aufwendig – schließlich gilt es doch, einiges zu beachten. In der Realität werdet Ihr aber schnell merken, dass Vieles ganz einfach ist und schnell zu einer Selbstverständlichkeit wird. Die meisten von uns fahren immer wieder mit dem Auto eine bestimmte Strecke an der es viel zu entdecken gibt. Schnell finden sich direkt vor der eigenen Haustür interessante Motive die fotografiert werden wollen. Wer – wie ich – als Pendler täglich die gleiche Strecke zurücklegt, wird schnell feststellen zu welchen Zeiten sich welche Motive lohnen. Die Lichtstimmung ist vorauszuahnen und natürlich können wir uns auch informieren wie das Wetter wird. Ein paar Erfahrungswerte dazu und schon hat man den perfekten Zeitpunkt ausgewählt, um sein Wunschmotiv zu fotografieren. Eine entsprechende Position hat man vielleicht schon vorher im Kopf. Genau so war es bei den folgenden Bildern, welche ich im zurückliegenden Januar in einem Zeitraum von lediglich 23 Minuten gemacht habe. Die Fotos habe ich von einer Brücke geschossen, über welche ich jeden Tag zwei mal fahre. Wann die Sonne auf- und untergeht konnte ich in den Tagen zuvor sehr gut beobachten. Das schöne Winterwetter hielt zwar nur ein paar Tage an, aber es passte alles perfekt in meinen Zeitplan. Der Aufwand für diese Fotos war also alles andere als groß.

 

Kaiser Wilhelm Denkmal im Winter

 
Weser bei Porta Westfalica im Schnee

 
Winter in Porta Westfalica

Natürlich ist es klar, dass man solche Bilder nicht jeden Tag machen kann. Manchmal ist der Himmel grau und es regnet Tage lang, ohne dass man die Sonne auch nur erahnen könnte. Manchmal passen die Zeiten der besonderen Lichtstimmung auch einfach nicht in den persönlichen Tagesablauf. Das lässt sich nicht immer zu 100% planen und es kommt schon mal vor, dass einen tolle Motive aufgrund von schlechtem Wetter oder zu wenig Zeit, einfach durch die Lappen gehen. Wer allerdings etwas aufmerksam ist und für bestimmte Situationen und Lichtstimmungen ein Gefühl entwickelt, der wird mit etwas Planung und Geduld auch deutlich bessere Fotos machen. Das funktioniert natürlich nicht nur vor der eigenen Haustür und auf bekannten Wegen, sondern überall anders auch. So habe ich mir beispielsweise im Urlaub angewöhnt, die Kamera am ersten Tag erst einmal im Hotel zu lassen und meine Umgebung zu beobachten. Was gibt es zu entdecken? Welche Motive lohnen sich wirklich und wann ist die beste Zeit dafür? Natürlich muss auch immer ein bisschen Glück dabei sein. Sprich: Das Wetter muss passen und man muss die Zeit haben zu genau den geplanten Zeiten an die Orte zu gelangen. Das funktioniert aber ganz gut mit einer ausführlichen Internet-Recherche im Vorfeld oder noch einfacher, wenn man mehrere Tage an einem Ort ist und mit entsprechender Mobilität gesegnet.

Die folgenden Bilder sind im Sommer 2014 während eines Italien-Urlaubes am Gardasee entstanden und wurden nach der eben beschriebenen Vorgehensweise bereits im Vorfeld von mir geplant:

20140819-26_Italien-159 // explored 1st September 2014

Sonnenuntergang vom Rocca di Manerba

Es bleibt mir zu schreiben: Seid aufmerksam, entwickelt ein Gefühl für Motive und besondere Stimmungen und nutzt Eure Erfahrungen und das Internet, um Eure Fotos vorab zu planen und bessere Ergebnisse zu erzielen! Viel Spaß dabei!

.MC FITTI MIT’M BART

// Der bärtige Wahlberliner MC FITTI steht für kaum ein anderer im deutschen Musikbusiness für Party, gute Laune und buntes Treiben auf der der Bühne und überall dort wo er auftritt. So konnten wohl die meisten Besucher eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen, als Sie erfuhren, dass die Spaßkanone verletzt war und somit nur mit angezogener Handbremse auftreten könne. MC FITTI aber wäre nicht MC FITTI, wenn er nicht auch aus diesem Umstand etwas Positives machen würde. So rollte er mit einem aufwendig dekorierten Rollstuhl auf die Bühne, welche an sich bereits aufgrund Ihrer individuellen Bühnendekoration ein Schauspiel für sich war. Wie in einer Theaterkulisse waren hier Türen, Fenster und ein kleiner Vorgarten mit Blumen zu sehen. Die gute Laune ließ MC FITTI sich also auch in dem blinkenden Rollstuhl nicht nehmen und transportierte sie vom ersten Song direkt auf das Publikum!

Alle Fotos gibt es wie immer hier in meinem Flickr-Fotostream. Hier ein kleines best of:

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.PHOTOKINA 2014

// Nachdem mein erster Photokina-Besuch 2012 unter dem Strich gar nicht einmal so spannend war, wie ich es ursprünglich erhofft hatte, war ich in diesem Jahr etwas zwiegespalten bezüglich eines erneuten Besuches. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen war klar, dass für den Besuch nur ein Wochenendtag in Frage kommen könnte. Ein entsprechender Besucherandrang war also zu befürchten. Nun stellte Nikon kurz vor der Photokina seine neue D750 vor. Mit dieser detaillierten Enthüllung war für mich dann theoretisch klar, dass es nichts Wirkliches gab, was mich aktuell noch auf der Messe interessierte. Also hatte ich den Besuch gedanklich schon abgehakt und mich stattdessen auf ein entspanntes Wochenende gefreut. Am Donnerstag zuvor hatte mich aber irgendwie doch noch die Lust gepackt und das „Gefühl etwas zu verpassen“ hat mich dann am Samstag den 20. September die knapp 200km nach Köln fahren lassen.

Aufgrund eines nahezu perfekten Zeitmanagements stand ich um Punkt 10 Uhr vor dem Eingang der Messehallen, nachdem ich vom Parkplatz aus lediglich eine Straße überqueren musste. Große Schlangen oder gar Gedränge gab es glücklicherweise nicht und so zeichnete sich auch schon direkt ab, dass die befürchtete „Überfüllung“ ausbleiben könnte. Mein erster Gang war der Weg zum Nikon-Stand (praktischerweise am anderen Ende des Geländes..). Hier musste natürlich trotz aller Unkenrufe die neue D750 in die Hand genommen werden. Im Gegensatz zur D600/610  bzw. der D7000er-Serie fällt positiv auf, dass der Griff besser ausgeformt ist und sie einfach deutlich besser in der Hand liegt. Auch der Sucher machte für mich keinen schlechten Eindruck. Dennoch werde ich mit dem Body einfach nicht so recht warm nachdem ich mich einmal an meine D800 gewöhnt habe. Aufgrund der unterschiedlichen Benutzerführung kommt diese Kamera für mich nicht (wie ursprünglich mal erhofft) als Zweitkamera in Frage. Bei Events wie Hochzeiten oder Konzerten ist es schon arg unangenehm, wenn man bei jedem Griff zum anderen Body umdenken muss und so im Zweifel wichtige Momente verpasst. Schließlich geht es hier im Zweifel um Sekunden..! Wie so viele hätte ich mir eine solche Kamera im D800-Body gewünscht und wäre vermutlich vollkommen begeistert gewesen. Nun steht für mich fest, dass Nikon hier zwar ganz sicher eine gute Kamera auf den Markt gebracht hat, allerdings diesen Wunsch nicht bedienen will und Leute wie mich vermutlich dazu „zwingen“ will mehr Geld auszugeben um eine zweite Kamera der 800er Serie zu kaufen. Das ist dann doch etwas schade, zumal es ja durchaus Vorteile gibt eine Zweitkamera zu besitzen, die weniger MP hat als die große D800… Nun denn: Es soll nicht sein! Begeistern konnte mich dann aber doch auch noch der Griff zum neuen Nikkor 20mm 1.8. Auch wenn diese Linse in meinem Equipment derzeit keinen Platz hat, machten die Testschüsse, die ich mit ihr gemacht habe, allesamt einen sehr guten Eindruck.

Noch mehr begeistern konnte dann aber doch tatsächlich der Griff zur D810. Natürlich stellt sich als Besitzer der D800 unweigerlich die Frage, ob es sein muss, hier schon jetzt einen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Das kann man sicherlich verneinen, denn technisch gesehen ist der Nachfolger der gerade einmal 3 Jahren jungen D800 sicherlich keine Revolution. Dennoch muss man anerkennen, dass die D810 eine sinnvolle Weiterentwicklung ist. Bereits bei kurzer Betrachtung fallen drei Änderungen merklich auf: 1. Der wesentlich leisere Verschluss und 2. das hellere und (gefühlt) schärfere Display und 3. der noch besser ausgeformte Griff. Im Inneren ist dann natürlich noch wesentlich mehr los: So hat Nikon z.B. bei der D810 den Tiefpassfilter gespart (nach Vorbild der D800E). Schlussendlich beschleicht einen natürlich nun etwas das Gefühl, dass die D800E von Anfang nur eine Art Testmodell war um das Weglassen des Tiefpassfilters in der Praxis direkt beim Kunden zu testen. Ob dieses dann allerdings einen Mehrpreis von 700 Euro wert war, darf jeder für sich entscheiden. Nun ist man wenigstens konsequent und hat ihn hier gleich weg gelassen. Weiterhin bietet die D810 (im Gegensatz zum Vorgänger), die Möglichkeit, kleinere RAW-Dateien aufzunehmen. Hierzu liest man allerdings wenig Positives… Für mich persönlich sowieso irrelevant, da ich mich an die große Auflösung gewöhnt habe und es generell nicht einsehe „mit angezogener Handbremse“ zu fotografieren, wenn ich mir so selbst die Möglichkeit raube, dass mehr geht. Spannend hingegen scheint das neue Autofocus-System zu sein, bei welchem es nun – nach Vorbild der D4 – einen Gruppen AF gibt, der sicherlich für Action und Sport durchaus seine Berechtigung hat. Etwas schneller ist die Kamera auch geworden, die ISO-Performance soll einen Hauch besser sein und im Videomodus gibt es jetzt satte 60 Bilder/Sekunde in FullHD. Der eingebaute Expeed 4 Prozessor soll für viele dieser Neuerungen verantwortlich sein und so noch mehr Qualität aus den Aufnahmen herauskitzeln. Ohne die Kamera wirklich ausgiebig getestet zu haben, ist mein persönliches Fazit rundweg positiv. Zwar gibt es sicherlich immer noch Details, die man verbessern könnte, aber wenn man z.B. sieht, dass WLAN und GPS fehlen, erhärtet sich der Eindruck, dass Nikon manche Features bewusst an bestimmten Kameras fehlen, um die Preisdifferenzierungen zu rechtfertigen. Es mag sicher Leute geben, die hierbei von „Kundenverarsche“ sprechen, aber ich denke, dass der von Nikon eingeschlagene Weg der Produktdifferenzierung durchaus legitim ist. Machen wir uns nichts vor: Mit der derzeitigen Technik ist man im Fotobereich bereits an eine gewisse Grenze gestoßen, die derzeit nur schwerlich noch weiter ausgedehnt werden kann. Im Bereich der Spiegelreflexkameras ist die Qualität bereits mit dem Erscheinen der D4 und der D800 in Bereiche hervorgerückt, die nur noch schwer zu toppen sind. Wenn man dann alle derzeit technischen möglichen Features auch tatsächlich in jede DSLR verbauen würde, wäre eine Differenzierung am Markt ja kaum mehr möglich. Spannend könnte ich mir hingegen allerdings eine vom Kunden individuell bestückte Kamera vorstellen. Das ist ja nicht nur in der Autoindustrie heutzutage gang und gäbe, sondern findet sich in immer mehr technischen Bereichen wieder. Ob allerdings der Abgesang der DSLR-Kameras wirklich so gerechtfertigt ist, wie er aufgrund der anschleichenden Marktübernahme der spiegellosen Systemkameras vollzogen wird, wird sich zeigen. Ich persönlich kann und will noch nicht so recht daran glauben und schätze eher, dass der DSLR-Markt zukünftig irgendwann noch noch Vollformater beheimaten wird. Es bleibt spannend!

Zurück zur Photokina und direkt rüber zum größten Konkurrenten Canon: Ich persönlich halte ja nicht viel von diesem peinlichen Kindergartengezicke ála „meine Schaufel ist besser als Deine“, aber Canon konnte mich auf der Photokina deutlich weniger begeistern als Nikon. Der Stand ist wahrlich hübsch designed, wirkt aber aufgrund der niedrigen Decken und der dominierenden dunkeln Farben nicht unbedingt einladend. Weiterhin finde ich (als Printdesigner) auch nicht gerade toll, wenn man am Zugang zum Stand mitgeteilt bekommt, es gäbe keine gedruckten Prospekte mehr und man solle sich alles was man benötige über einen Code aus dem Internet herunterladen. Klar kann man das machen, aber dafür fahre ich ja nicht unbedingt zu einer Messe und wenn ich mir wirklich technische Geräte für mitunter mehrere tausend Euro kaufen will, möchte ich mich doch auch vorher gerne über die Details informieren. Und das geht m.E. immer noch am besten in dem ich mir abends auf dem Sofa in Ruhe einen Prospekt anschaue.

Da es dort aber auch sonst eh nicht viel Neues zu bestaunen gab, konnte ich mich schnell loseisen und stattdessen den wahnsinnig schönen Stand von Leica (oder soll ich besser schreiben, die „eigene Halle“) begutachten. Nicht nur die Produkte selbst, sondern auch der Stand können hier mit einem schönen Minimalismus überzeugen, der nur noch durch die riesige eigene Galerie im hinteren Bereich getoppt wird. Wirklich ganz, ganz großer Sport!

Zubehör, Lichttechnik und CGI habe ich anschließend nur im Vorbeigehen „mitgenommen“ und mich stattdessen auf die anderen großen Hersteller konzentriert. Auf meinem Weg durch die Hallen sind mir dabei besonders die Leute negativ aufgefallen, die die (teils leicht bekleideten) Models „sabbernd“ abfotografierten. Dass es sich dabei oftmals um ältere Semester handelt darf jeder für sich interpretieren. Offensichtlich scheinen diese Herrschaften sich andernorts keine eigenen Shootings organisieren zu können oder zu wollen. Ebenfalls schwer nachzuvollziehen ist es für mich, wie man mit zwei Bodys, den dicksten Teleobjektiven und wohl möglich noch einem Stativ (tatsächlich gesehen!) über so eine Messe laufen kann. Ein Body und ein Standardobjektiv mögen ja noch Sinn machen, aber alles darüber hinaus ist für mich dann doch irgendwie peinlich. Aber jeder macht sich bekanntlich so gut er kann selbst lächerlich..!

Weiterhin ein bisschen negativ aufgefallen ist mir z.T. das Standpersonal. Womit wir bei meiner weiteren Reise am Sigma-Stand angekommen wären. Hier wollte ich gern mal das neue 50er Objektiv der ART-Serie ausprobieren. War auch kein Problem und die ansehnliche Hostess gab mir Kamera samt Objektiv direkt in die Hand. Ein tiefergehendes Gespräch über das gute Stück Technik sollte allerdings nicht zustande kommen, denn „das ist schön scharf“ war alles, was es – auf Nachfrage – an inhaltlichen Details von ihr zu sagen gab und weitere Rückfragen konnten von ihr nicht beantwortet werden. Wahrscheinlich kann die gute noch nicht einmal etwas dafür, aber wenn ich doch meine Produkte verkaufen will und auf einer Messe dementsprechend potentielle Kunden berate, ist es mir unbegreiflich, warum ich kein geschultes Personal hier platziere. Schönes Stück Glas übrigens, aber so selten wie ich mein 50er derzeit überhaupt noch einsetze ist der enorme Mehrpreis von ca. 600 Euro zu meinem Nikkor 1.8 G wohl eher nicht so sinnig. Ganz anders als bei Sigma war es dann beim Tamron-Stand. Auch wenn ich hier nicht so recht nachvollziehen konnte, warum man die Bühne direkt neben dem Beratertresen platzierte, war ein Ausgiebiges „Spielen“ mit dem neuen 150-600er und eine persönliche Beratung mit Fachkenntnis hier selbstverständlich. Mir persönlich dann doch lieber als einfach „etwas für’s Auge“. Dieses Objektiv steht übrigens recht weit oben auf meiner „haben wollen“-Liste. Für den Preis hat Sigma da schon etwas auf den Markt geschmissen was man sonst nicht findet. Darüber hinaus wissen auch Haptik, Größe und Gewicht vollends zu überzeugen. Noch fehlt mir allerdings ein sinnvoller dauerhafter Einsatzzweck für dieses schöne Stück. Aber wer weiß..!?

Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Sony bot das meiner Meinung nach beste inszenierte Live-Shooting. Es stand mal nicht die nackte Haut im Vordergrund und man hatte während des Vortrages bereits die Möglichkeit die Fotos auf den zahlreich angebrachten Fernseher zu begutachten.

Überhaupt gibt es natürlich zahlreiche Möglichkeiten, sich sinnvolle Vorträge oder Live-Shootings anzuschauen oder die Telebrennweiten bei der Live-Flugshow zu testen. Für mich persönlich dann aber doch alles nicht sooo spannend, um hier noch stundenlang die Zeit zu vertrödeln und in einer Menschentraube stehend einen Blick auf die Bühnen zu erhaschen. Ich schloss den gelungenen Ausflug dann doch lieber mit einem kleinen Streifzug durch die verbliebenen Galerien (hier konnte mich vor allem der Naturfoto-Part sehr begeistern!) ab und griff auf dem Weg zum Auto noch ein paar kostenlose Fotozeitschriften ab.

Alles in allem war der Photokina-Besuch sicherlich weder Geld- noch Zeitverschwendung, aber einen großen „WOW-Effekt“ gab es auch nicht. Irgendwie ja auch verständlich. Wie weiter oben schon beschrieben, sehe ich die Branche technisch gesehen derzeit irgendwie am Limit angekommen. Außerdem muss man natürlich immer bedenken, dass eine Messe nichts Anderes ist als eine kommerzielle Veranstaltung, wo es in erster Linie darum geht, Produkte an die Käuferschaft zu bringen bzw. diese schmackhaft zu machen. Das gilt auch für die vielen kreativen Workshops und Vorträge von Calvin Hollywood und co., welche ich mir persönlich eh lieber auf Youtube anschaue. Dennoch ist der Zweck dieser Messe unter dem Strich der Umsatz für die Aussteller, weshalb die tolle „Erlebniswelt“, die viele vielleicht erwarten auch einfach nicht realistisch ist.

Schauen wir mal wohin der Zug in den nächsten zwei Jahren führt, bis Köln mit der nächsten Photokina ruft. Man darf sicherlich gespannt sein.

Zum Schluss noch ein paar Schnappschüsse mit der kleinen Fuji X20 ohne größeren fotografischen Anspruch:

 

 

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