28. September 2014 admin

.PHOTOKINA 2014

// Nachdem mein erster Photokina-Besuch 2012 unter dem Strich gar nicht einmal so spannend war, wie ich es ursprünglich erhofft hatte, war ich in diesem Jahr etwas zwiegespalten bezüglich eines erneuten Besuches. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen war klar, dass für den Besuch nur ein Wochenendtag in Frage kommen könnte. Ein entsprechender Besucherandrang war also zu befürchten. Nun stellte Nikon kurz vor der Photokina seine neue D750 vor. Mit dieser detaillierten Enthüllung war für mich dann theoretisch klar, dass es nichts Wirkliches gab, was mich aktuell noch auf der Messe interessierte. Also hatte ich den Besuch gedanklich schon abgehakt und mich stattdessen auf ein entspanntes Wochenende gefreut. Am Donnerstag zuvor hatte mich aber irgendwie doch noch die Lust gepackt und das „Gefühl etwas zu verpassen“ hat mich dann am Samstag den 20. September die knapp 200km nach Köln fahren lassen.

Aufgrund eines nahezu perfekten Zeitmanagements stand ich um Punkt 10 Uhr vor dem Eingang der Messehallen, nachdem ich vom Parkplatz aus lediglich eine Straße überqueren musste. Große Schlangen oder gar Gedränge gab es glücklicherweise nicht und so zeichnete sich auch schon direkt ab, dass die befürchtete „Überfüllung“ ausbleiben könnte. Mein erster Gang war der Weg zum Nikon-Stand (praktischerweise am anderen Ende des Geländes..). Hier musste natürlich trotz aller Unkenrufe die neue D750 in die Hand genommen werden. Im Gegensatz zur D600/610  bzw. der D7000er-Serie fällt positiv auf, dass der Griff besser ausgeformt ist und sie einfach deutlich besser in der Hand liegt. Auch der Sucher machte für mich keinen schlechten Eindruck. Dennoch werde ich mit dem Body einfach nicht so recht warm nachdem ich mich einmal an meine D800 gewöhnt habe. Aufgrund der unterschiedlichen Benutzerführung kommt diese Kamera für mich nicht (wie ursprünglich mal erhofft) als Zweitkamera in Frage. Bei Events wie Hochzeiten oder Konzerten ist es schon arg unangenehm, wenn man bei jedem Griff zum anderen Body umdenken muss und so im Zweifel wichtige Momente verpasst. Schließlich geht es hier im Zweifel um Sekunden..! Wie so viele hätte ich mir eine solche Kamera im D800-Body gewünscht und wäre vermutlich vollkommen begeistert gewesen. Nun steht für mich fest, dass Nikon hier zwar ganz sicher eine gute Kamera auf den Markt gebracht hat, allerdings diesen Wunsch nicht bedienen will und Leute wie mich vermutlich dazu „zwingen“ will mehr Geld auszugeben um eine zweite Kamera der 800er Serie zu kaufen. Das ist dann doch etwas schade, zumal es ja durchaus Vorteile gibt eine Zweitkamera zu besitzen, die weniger MP hat als die große D800… Nun denn: Es soll nicht sein! Begeistern konnte mich dann aber doch auch noch der Griff zum neuen Nikkor 20mm 1.8. Auch wenn diese Linse in meinem Equipment derzeit keinen Platz hat, machten die Testschüsse, die ich mit ihr gemacht habe, allesamt einen sehr guten Eindruck.

Noch mehr begeistern konnte dann aber doch tatsächlich der Griff zur D810. Natürlich stellt sich als Besitzer der D800 unweigerlich die Frage, ob es sein muss, hier schon jetzt einen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Das kann man sicherlich verneinen, denn technisch gesehen ist der Nachfolger der gerade einmal 3 Jahren jungen D800 sicherlich keine Revolution. Dennoch muss man anerkennen, dass die D810 eine sinnvolle Weiterentwicklung ist. Bereits bei kurzer Betrachtung fallen drei Änderungen merklich auf: 1. Der wesentlich leisere Verschluss und 2. das hellere und (gefühlt) schärfere Display und 3. der noch besser ausgeformte Griff. Im Inneren ist dann natürlich noch wesentlich mehr los: So hat Nikon z.B. bei der D810 den Tiefpassfilter gespart (nach Vorbild der D800E). Schlussendlich beschleicht einen natürlich nun etwas das Gefühl, dass die D800E von Anfang nur eine Art Testmodell war um das Weglassen des Tiefpassfilters in der Praxis direkt beim Kunden zu testen. Ob dieses dann allerdings einen Mehrpreis von 700 Euro wert war, darf jeder für sich entscheiden. Nun ist man wenigstens konsequent und hat ihn hier gleich weg gelassen. Weiterhin bietet die D810 (im Gegensatz zum Vorgänger), die Möglichkeit, kleinere RAW-Dateien aufzunehmen. Hierzu liest man allerdings wenig Positives… Für mich persönlich sowieso irrelevant, da ich mich an die große Auflösung gewöhnt habe und es generell nicht einsehe „mit angezogener Handbremse“ zu fotografieren, wenn ich mir so selbst die Möglichkeit raube, dass mehr geht. Spannend hingegen scheint das neue Autofocus-System zu sein, bei welchem es nun – nach Vorbild der D4 – einen Gruppen AF gibt, der sicherlich für Action und Sport durchaus seine Berechtigung hat. Etwas schneller ist die Kamera auch geworden, die ISO-Performance soll einen Hauch besser sein und im Videomodus gibt es jetzt satte 60 Bilder/Sekunde in FullHD. Der eingebaute Expeed 4 Prozessor soll für viele dieser Neuerungen verantwortlich sein und so noch mehr Qualität aus den Aufnahmen herauskitzeln. Ohne die Kamera wirklich ausgiebig getestet zu haben, ist mein persönliches Fazit rundweg positiv. Zwar gibt es sicherlich immer noch Details, die man verbessern könnte, aber wenn man z.B. sieht, dass WLAN und GPS fehlen, erhärtet sich der Eindruck, dass Nikon manche Features bewusst an bestimmten Kameras fehlen, um die Preisdifferenzierungen zu rechtfertigen. Es mag sicher Leute geben, die hierbei von „Kundenverarsche“ sprechen, aber ich denke, dass der von Nikon eingeschlagene Weg der Produktdifferenzierung durchaus legitim ist. Machen wir uns nichts vor: Mit der derzeitigen Technik ist man im Fotobereich bereits an eine gewisse Grenze gestoßen, die derzeit nur schwerlich noch weiter ausgedehnt werden kann. Im Bereich der Spiegelreflexkameras ist die Qualität bereits mit dem Erscheinen der D4 und der D800 in Bereiche hervorgerückt, die nur noch schwer zu toppen sind. Wenn man dann alle derzeit technischen möglichen Features auch tatsächlich in jede DSLR verbauen würde, wäre eine Differenzierung am Markt ja kaum mehr möglich. Spannend könnte ich mir hingegen allerdings eine vom Kunden individuell bestückte Kamera vorstellen. Das ist ja nicht nur in der Autoindustrie heutzutage gang und gäbe, sondern findet sich in immer mehr technischen Bereichen wieder. Ob allerdings der Abgesang der DSLR-Kameras wirklich so gerechtfertigt ist, wie er aufgrund der anschleichenden Marktübernahme der spiegellosen Systemkameras vollzogen wird, wird sich zeigen. Ich persönlich kann und will noch nicht so recht daran glauben und schätze eher, dass der DSLR-Markt zukünftig irgendwann noch noch Vollformater beheimaten wird. Es bleibt spannend!

Zurück zur Photokina und direkt rüber zum größten Konkurrenten Canon: Ich persönlich halte ja nicht viel von diesem peinlichen Kindergartengezicke ála „meine Schaufel ist besser als Deine“, aber Canon konnte mich auf der Photokina deutlich weniger begeistern als Nikon. Der Stand ist wahrlich hübsch designed, wirkt aber aufgrund der niedrigen Decken und der dominierenden dunkeln Farben nicht unbedingt einladend. Weiterhin finde ich (als Printdesigner) auch nicht gerade toll, wenn man am Zugang zum Stand mitgeteilt bekommt, es gäbe keine gedruckten Prospekte mehr und man solle sich alles was man benötige über einen Code aus dem Internet herunterladen. Klar kann man das machen, aber dafür fahre ich ja nicht unbedingt zu einer Messe und wenn ich mir wirklich technische Geräte für mitunter mehrere tausend Euro kaufen will, möchte ich mich doch auch vorher gerne über die Details informieren. Und das geht m.E. immer noch am besten in dem ich mir abends auf dem Sofa in Ruhe einen Prospekt anschaue.

Da es dort aber auch sonst eh nicht viel Neues zu bestaunen gab, konnte ich mich schnell loseisen und stattdessen den wahnsinnig schönen Stand von Leica (oder soll ich besser schreiben, die „eigene Halle“) begutachten. Nicht nur die Produkte selbst, sondern auch der Stand können hier mit einem schönen Minimalismus überzeugen, der nur noch durch die riesige eigene Galerie im hinteren Bereich getoppt wird. Wirklich ganz, ganz großer Sport!

Zubehör, Lichttechnik und CGI habe ich anschließend nur im Vorbeigehen „mitgenommen“ und mich stattdessen auf die anderen großen Hersteller konzentriert. Auf meinem Weg durch die Hallen sind mir dabei besonders die Leute negativ aufgefallen, die die (teils leicht bekleideten) Models „sabbernd“ abfotografierten. Dass es sich dabei oftmals um ältere Semester handelt darf jeder für sich interpretieren. Offensichtlich scheinen diese Herrschaften sich andernorts keine eigenen Shootings organisieren zu können oder zu wollen. Ebenfalls schwer nachzuvollziehen ist es für mich, wie man mit zwei Bodys, den dicksten Teleobjektiven und wohl möglich noch einem Stativ (tatsächlich gesehen!) über so eine Messe laufen kann. Ein Body und ein Standardobjektiv mögen ja noch Sinn machen, aber alles darüber hinaus ist für mich dann doch irgendwie peinlich. Aber jeder macht sich bekanntlich so gut er kann selbst lächerlich..!

Weiterhin ein bisschen negativ aufgefallen ist mir z.T. das Standpersonal. Womit wir bei meiner weiteren Reise am Sigma-Stand angekommen wären. Hier wollte ich gern mal das neue 50er Objektiv der ART-Serie ausprobieren. War auch kein Problem und die ansehnliche Hostess gab mir Kamera samt Objektiv direkt in die Hand. Ein tiefergehendes Gespräch über das gute Stück Technik sollte allerdings nicht zustande kommen, denn „das ist schön scharf“ war alles, was es – auf Nachfrage – an inhaltlichen Details von ihr zu sagen gab und weitere Rückfragen konnten von ihr nicht beantwortet werden. Wahrscheinlich kann die gute noch nicht einmal etwas dafür, aber wenn ich doch meine Produkte verkaufen will und auf einer Messe dementsprechend potentielle Kunden berate, ist es mir unbegreiflich, warum ich kein geschultes Personal hier platziere. Schönes Stück Glas übrigens, aber so selten wie ich mein 50er derzeit überhaupt noch einsetze ist der enorme Mehrpreis von ca. 600 Euro zu meinem Nikkor 1.8 G wohl eher nicht so sinnig. Ganz anders als bei Sigma war es dann beim Tamron-Stand. Auch wenn ich hier nicht so recht nachvollziehen konnte, warum man die Bühne direkt neben dem Beratertresen platzierte, war ein Ausgiebiges „Spielen“ mit dem neuen 150-600er und eine persönliche Beratung mit Fachkenntnis hier selbstverständlich. Mir persönlich dann doch lieber als einfach „etwas für’s Auge“. Dieses Objektiv steht übrigens recht weit oben auf meiner „haben wollen“-Liste. Für den Preis hat Sigma da schon etwas auf den Markt geschmissen was man sonst nicht findet. Darüber hinaus wissen auch Haptik, Größe und Gewicht vollends zu überzeugen. Noch fehlt mir allerdings ein sinnvoller dauerhafter Einsatzzweck für dieses schöne Stück. Aber wer weiß..!?

Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Sony bot das meiner Meinung nach beste inszenierte Live-Shooting. Es stand mal nicht die nackte Haut im Vordergrund und man hatte während des Vortrages bereits die Möglichkeit die Fotos auf den zahlreich angebrachten Fernseher zu begutachten.

Überhaupt gibt es natürlich zahlreiche Möglichkeiten, sich sinnvolle Vorträge oder Live-Shootings anzuschauen oder die Telebrennweiten bei der Live-Flugshow zu testen. Für mich persönlich dann aber doch alles nicht sooo spannend, um hier noch stundenlang die Zeit zu vertrödeln und in einer Menschentraube stehend einen Blick auf die Bühnen zu erhaschen. Ich schloss den gelungenen Ausflug dann doch lieber mit einem kleinen Streifzug durch die verbliebenen Galerien (hier konnte mich vor allem der Naturfoto-Part sehr begeistern!) ab und griff auf dem Weg zum Auto noch ein paar kostenlose Fotozeitschriften ab.

Alles in allem war der Photokina-Besuch sicherlich weder Geld- noch Zeitverschwendung, aber einen großen „WOW-Effekt“ gab es auch nicht. Irgendwie ja auch verständlich. Wie weiter oben schon beschrieben, sehe ich die Branche technisch gesehen derzeit irgendwie am Limit angekommen. Außerdem muss man natürlich immer bedenken, dass eine Messe nichts Anderes ist als eine kommerzielle Veranstaltung, wo es in erster Linie darum geht, Produkte an die Käuferschaft zu bringen bzw. diese schmackhaft zu machen. Das gilt auch für die vielen kreativen Workshops und Vorträge von Calvin Hollywood und co., welche ich mir persönlich eh lieber auf Youtube anschaue. Dennoch ist der Zweck dieser Messe unter dem Strich der Umsatz für die Aussteller, weshalb die tolle „Erlebniswelt“, die viele vielleicht erwarten auch einfach nicht realistisch ist.

Schauen wir mal wohin der Zug in den nächsten zwei Jahren führt, bis Köln mit der nächsten Photokina ruft. Man darf sicherlich gespannt sein.

Zum Schluss noch ein paar Schnappschüsse mit der kleinen Fuji X20 ohne größeren fotografischen Anspruch:

 

 

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