28. Februar 2016 admin

.KONZERTFOTOGRAFIE – EIN INTERVIEW

// Wie vermutlich viele bemerkt haben, habe ich mich in letzter Zeit verstärkt der Konzertfotografie gewidmet. Angetrieben durch meiner Liebe für Musik und häufigen Konzertbesuchen, hat es sich vor ein paar Jahren ergeben, dass sich die beiden Leidenschaften sinnvoll miteinander verbinden ließen. Mittlerweile bin ich aktives Redaktionsmitglied beim Terrorverlag und hatte darüber hinaus in den letzten Jahren bereits einige Veröffentlichungen in unterschiedlichen Fotozeitschriften zum Thema Konzertfotografie. Die Januar-Ausgabe des Camera Magazin widmete sich dem Thema Musikfotografie. Ich durfte dem Magazin kurz vor dem Jahreswechsel ein Interview geben, welches lediglich in kleinen Auszügen abgedruckt wurde. Damit dieses nicht untergeht, habe ich das komplette Interview von damals mal für Euch herausgekramt und für diesen Blog aufbereitet. Viel Spaß beim Lesen!

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Kannst du kurz etwas über dich erzählen (wo kommst du her, wie alt bist du, lebst du von der Fotografie)?
Ich bin 33 Jahre jung, lebe in Bielefeld und habe ein kleines Studio in Herford. Fotografie ist eine meine Leidenschaften, welche ich nebenberuflich unter professionellen Bedingungen und für mich persönlich als Hobby nachgehe. Hauptberuflich habe ich durch meine Marketingtätigkeit ebenfalls ständig damit zu tun. Ich lebe also nicht von der Fotografie, aber immer mit ihr 🙂

Wie waren deine Anfänge in der Fotografie allgemein bzw. in der Musikfotografie?
Angefangen zu fotografieren bin ich schon als kleines Kind. Auch schon damals hatten meine Großeltern mich mit zu Konzerten genommen wo ich Fotos der Musiker gemacht habe um anschließend den Film entwickeln zu lassen. Schließlich habe ich neben der Schule für eine Lokalzeitung gearbeitet und ebenfalls fotografiert, bevor ich nach einigen Jahren Pause von der Fotografie dann 2008 mit dem Erwerb meiner ersten DSRL endgültig gepackt wurde. Wirklich intensiv beschäftige ich mich mit der Musikfotografie erst seit 2013. Mein erstes Konzert auf dem ich „offiziell“ fotografieren durfte war ein Album-Release des Bielefelder Künstlers „Ron Diva„, den ich einfach vorher um Erlaubnis bat. Dieses Konzert und der Kontakt zu ihm haben mir dann viele Türen geöffnet.

Woher kam dein Wunsch, dich in der Musikfotografie zu probieren?
Da ich mich persönlich sehr für Musik verschiedener Genres interessiere und schon immer regelmäßig Konzerte besuche, kam irgendwann der Wunsch in mir auf, selbst auf Konzerten zu fotografieren.

Was fasziniert dich so an der Musikfotografie?
Ich liebe Musik und ich liebe Fotografieren – so einfach ist das im Prinzip. Es macht mir immer wieder großen Spaß, die live-Auftritte der Künstler so zu dokumentieren wie sie wirklich stattfinden und die Stimmung die vor Ort herrschte hinterher auf den Bilder wiederzufinden.

Mit welchem Ansatz gehst du ans Thema Musikfotografie heran?
Ungestellt das dokumentieren was wirklich auf der Bühne und im Publikum passiert und dabei Emotionen und besondere Momente festzuhalten – das ist mein Ziel.

Was macht ein gutes Musikfoto aus?
Die besten Fotos erzählen auch immer eine kleine Geschichte. Bei Künstler- oder Bandportraits sollten die Aufnahmen natürlich für die individuelle Musik stehen. Der Betrachter muss die Musik der Künstler wiederfinden. Gleiches gilt im Prinzip auch für Konzertaufnahmen. Eine gute Aufnahme muss leben und den Sound und die Stimmung auf den Betrachter projezieren.

Hast du im Bereich der Musikfotografie bestimmte Vorbilder? (Wenn ja, was fasziniert dich an ihrer Arbeit)
Eigentlich nicht, da ich niemandem nacheifern möchte. Aber ich mag die Arbeit von Jim Rakete, Paul Ripke und Chritsian Thiele, da sie mich inspiriert haben.

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?
Das fällt mir immer ein bisschen schwer, weil ich mich auch nicht einschränken möchte und jede Aufnahme sich natürlich inhaltlich unterscheidet. Optisch haben meine Bilder aber sicher etwas auffälliges, da ich viel Wert auf starke Kontraste, Schärfe und Klarheit in den Bildern lege.

Kannst du dich an ein oder zwei herausragende Momente auf einem Konzert erinnern, die du fotografisch festgehalten hast?
Es fällt mir bei so vielen Künstlern und Erlebnissen natürlich schwer, etwas hervorzuheben. Aber ich erinnere mich immer wieder gerne an das „Serengeti Festival“ 2013, was sogleich das erste Festival dieser Größenordnung war, was ich fotografieren durfte. Die Stimmung war genauso klasse wie das Wetter und mit den „Broilers“ und „Seeed“ habe ich zwei meiner persönlichen Lieblingsbands vor der Linse gehabt – das sieht man den Bildern auch an.

Wie bereitest du dich auf ein Shooting vor?
Bei einer Konzertreportage fällt die Vorbereitung meistens sehr kurz aus. Die Musik der meisten Künstler die ich fotografiere kenne ich sehr gut. Daher schaue ich mir natürlich die Setlist an, die sie zuletzt gespielt haben und behalte sie im Hinterkopf. Ansonsten werden die die Akkus geladen, die Speicherkarten formatiert und die Kameras verstaut und los geht’s! Ein Portraitshooting benötigt dagegen schon eine viel detailliertere Planung. Angefangen von der Location über das Outfit, die verwendete Technik bis hin zum Wetter..

Mit welcher Ausrüstung bist du unterwegs und warum arbeitest du mit genau diesem Equipment?
Auf Konzerten bin ich meistens mit 2 Kameras unterwegs: Nikon D800 und Nikon D810. Immer dabei habe ich mein Nikkor 70-200 VR II, weil es einfach die beste und zuverlässigste Linse ist die ich besitze und ich mir daher sicher sein kann, dass sie tolle Ergebnisse liefert. Auf der zweiten Kamera habe ich seit ein paar Monaten ausschließlich das Tamron 15-30. Dieses Brennweitenspektrum reicht mir für meine Arbeit völlig aus und ich kann mir umständliche Objektivwechsel vor Ort komplett sparen. Für Portraitshootings nutze ich natürlich auch noch weiteres Zubehör und andere Objektive wie das Sigma 35mm Art oder das Nikkor micro 105mm – je nach individuellem Bedarf.

Worauf kommt es vor Ort an?
Ich kann nur jedem empfehlen mit der nötigen Gelassenheit an die Sache heran zu gehen, bei Songs die man selbst mag auch mal leise mitzusummen und die Musik aufzusaugen – auch mit Kamera in der Hand zu fühlen und zu leben. Ansonsten sollte man den anderen Kollegen im Graben immer mit dem nötigen Respekt begegnen, sich nicht vor deren Objektive stellen und sie nicht als Konkurrenz ansehen weil man die besseren Bilder machen möchte. Das bringt niemanden weiter.

Wie sieht dein Workflow nach einem Shooting aus?
Zunächst lösche ich nach jedem Gig schon mal direkt auf der Kamera das was klar als nicht verwendbar erkennbar ist. Anschließend wird jedes Bild in Lightroom geladen und dort passend entwickelt. Mit der Zeit habe ich einige Presets erstellt auf die ich immer wieder zurückkomme. Da aber jede Location und jede Bühnenbeleuchtung unterschiedlich ausfallen, funktionieren die natürlich nicht immer 1:1 ohne manuelle Eingriffe.

Wen hattest du schon vor deiner Linse?
Westernhagen, Seeed, Biffy Clyro, Casper, Jan Delay, Broilers, Clueso, Fünf Sterne Deluxe, Wanda, Andreas Bourani, Tocotronic, Bosse, Kettcar, Marcus Wiebusch, Thees Uhlmann, Gentlemann, Katzenjammer, Trailerpark, Bad Religion, Madsen, Sepultura, Royal Republic, Lena, The Editors, Skunk Anansie, Patrice, Skindred, Mad Caddies, Annenmaykantereit, Guano Apes und noch einige mehr…

Gibt’s eine Band oder einen Künstler, den du mit deiner Kamera gerne mal auf einer Tour begleiten würdest?
Da gibt es sicherlich einige, aber wenn ich mir wen aussuchen dürfte, wären es wohl die Toten Hosen, weil ich glaube, dass das dufte Typen sind die trotz nicht zu leugnender Kommerzialisierung immer sehr bodenständig und nahbar sind.

Worin besteht für dich der größere Reiz – Live-Shoots oder Porträts von Bands und Künstlern? Warum?
Für mich hat alles in der Fotografie irgendwie seinen Reiz. Tolle Portraits mit interessanten Kulissen sind da immer etwas Besonderes, wenngleich ich zugeben muss, dass ich bislang nur eine Band organisiert portraitiert habe und mich die Bearbeitung und die fertigen Ergebnisse mehr reizen als das Shooting vor Ort. Da sind Live-Shoots auf Konzerten für mich einfach die spannenderen Erlebnisse weil es hier einfach um die Emotionen und die Musik an sich geht.

Wer zählt zu deinen Kunden?
An dieser Stelle muss ich Euch enttäuschen. Als Konzertfotograf verdient fast kaum jemand Geld und kann wirkliche „Kunden“ benennen. Ich verkaufe daher nur ganz selten mal ein Konzertfoto. In aller Regel schicken die Zeitungen, die es interessiert eigene Leute oder kaufen direkt bei den ganz großen Agenturen. Letztere interessieren sich aber fast ausschließlich für Stars von Weltformat. Ich fotografiere (und schreibe) aus Spaß an der Freude für mich und das Online-Magazin „Terrorverlag“.

Wie einfach ist es, an Fotoakkreditierungen bei (großen) Konzerten zu kommen?
Dadurch, dass ich seit Anfang des Jahres für den „Terrorverlag“ arbeite, komme ich an die meisten Akkreditierungen auch ran die mich persönlich interessieren. Ansonsten kommt es immer auf den Veranstalter an. Manchmal wundert man sich bei größeren Veranstaltungen wie offen die für solche Anfragen sind, während man von kleinen Clubs z.T. nicht einmal eine Antwort auf seine Anfrage bekommt.

Was hältst du von den mittlerweile nicht unüblichen Rechteabtretungen/Releases, die Fotografen unterzeichnen müssen, ehe sie reingelassen werden?
Überhaupt nichts! Hier wird die Pressefreiheit mit Füßen getreten und Fotografen oftmals als kostenlose Dienstleister angesehen. So etwas möchte ich nicht unterstützen. Glücklicherweise interessieren mich die ganz großen Weltstars auch nicht wirklich, weshalb es in meinem Bereich (noch) eine Ausnahme darstellt.

Spielt die Art der Musik, die vor Ort läuft, für dich eine Rolle? Kannst du also bei bestimmten Bands besser/leichter fotografieren als bei anderen?
Auf jeden Fall! Wenn ich die Musik selbst mag oder gar die Texte mitsingen kann, mache ich per se bessere Fotos. Darauf ist Verlass!

Fühlt man sich als Fotograf auf einem großen Rockkonzert auch selbst ein bisschen wie ein Rockstar?
Im Gegenteil – wenn man plötzlich so nah an den Künstlern dran ist und irgendwie auch ein bisschen Teil des Ganzen, erdet das ungemein und nimmt auch ein Teil dieser unnahbaren Illusion.

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